War 2018 ein gutes Jahr für den klassischen Kinofilm? Zumindest aus zwei Gründen darf daran gezweifelt werden: Zum einen konnten im letzten Jahr einige der lang erwarteten großen Blockbuster meine hohen Erwartungen nicht erfüllen (Black Panther, Red Sparrow, Venom), andere waren gar völlig missraten (Ready Player One, Jurassic World: Das gefallene Königreich, Deadpool 2). Zum anderen tritt insbesondere Netflix vermehrt als Co-Finanzier ursprünglich reiner Kinoproduktionen in Erscheinung. Deren Premiere läuft in einigen wenigen ausgesuchten Lichtspielhäusern, eine grundlegende Voraussetzungen, damit sie für die Oscars nominiert werden können. Der Großteil des Publikums sieht diese Filme dann jedoch exklusiv auf Netflix. Dies finde ich per se nicht negativ. Folglich haben es dieses Jahr mit The Ballad of Buster Scruggs und Alfonso Cuarons Roma auch zwei dieser von Netflix mitproduzieren Filme in meine Top20 geschafft. Doch das klassische – bisweilen natürlich auch stark romantisierte – Kinoerlebnis leidet darunter…

Doch Netflix produzierte 2018 nicht nur positive Schlagzeilen: Laut einer Analyse von Streaming Observer fiel das Durchschnitts-Rating von Netflix-Originalproduktionen im Jahr 2018 auf 70 von 100 Punkten. Vor zwei Jahren lag diese Kennzahl hingegen noch bei 74 Punkten. Damit liegt Netflix nur noch im Mittelfeld, während HBO (75 Punkte), Hulu (74 Punkte) und AMC (73 Punkte) die vorderen Plätze unter sich ausmachen.

Wie stark der Konkurrenzdruck im Streamingbereich ist, zeigt auch die überraschende Absetzung von Marvel’s Daredevileine meiner absoluten Lieblingsserien. Überdies gab Netflix bekannt, dass es auch keine weiteren Staffeln von Marvel’s Luke Cage und Marvel’s Iron Fist geben wird, obwohl die jeweiligen zweiten Staffeln deutlich besser waren als die ersten. Auch Marvel’s Jessica Jones und Marvel’s The Punisher wird voraussichtlich nach dem Abschluss der nächsten Staffeln im kommenden Jahr dasselbe Schicksal ereilen. Die Verantwortung für die Beendigung der eigentlich fruchtbaren Zusammenarbeit zwischen Marvel und Netflix liegt wohl beim Disney-Konzern, der die Rechte für die Marvel-Franchise besitzt. Denn der Unterhaltungsgigant möchte Ende 2019 in den USA mit seiner eigenen Video-on-Demand-Plattform Disney+ an den Start gehen.

Zumindest Fans von Marvel’s Daredevil können sich jedoch Hoffnung machen, eine Fortsetzung der Geschichte rund um den Rechtsanwalt Matt Murdock scheint laut der offizieller Presseerklärung von Marvel nicht gänzlich unwahrscheinlich – dann aber eben auf Disney+:

„Marvel is extremely grateful to the huge audience that loved Marvel’s Daredevil. (…) We look forward to more adventures with the Man without Fear in the future.”

Weit erfreulicher war aus meiner Sicht hingegen die Vielzahl an sehenswerten Produktionen aus Deutschland. So schafften es ganze vier deutsche Filme in meine Top20. Doch genug mit dem Vorgeplänkel – hier kommt, wie immer in chronologischer Reihenfolge, meine Top20 des Jahres 2018. Per Klick auf das Filmplakat geht’s zum jeweiligen Trailer. Fehlen Filme in dieser Liste? Welcher Streifen gehört für Euch zu den besten Filmen 2018? Lasst es mich in den Kommentaren wissen!

Die dunkelste Stunde


Film-Genre: Historie | Drama

Kino-Start: 18. Januar 2018
Erst wenige Tage im Amt, steht der neue britische Premierminister als Nachfolger von Neville Chamberlain (Ronald Pickup) 1940 vor einer Mammutaufgabe. Die gegnerische Streitmacht stürmt Westeuropa, die Niederlage gegen Nazi-Deutschland ist beinahe schon besiegelt – also steht Winston Churchill (Gary Oldman) unter Druck, einen Frieden mit Adolf Hitler zu verhandeln, der Großbritannien zu einer Marionette des Dritten Reichs machen würde. Während die britische Armee in Dünkirchen strandet, beweist Churchill Courage und kämpft weiter. In seiner wohl dunkelsten Stunde als Premier muss er den baldigen Einmarsch der Nationalsozialisten verhindern, sich gegenüber seiner eigenen Partei und dem skeptischen König George VI. (Ben Mendelsohn) durchsetzen und seine Nation vereinen, kurz: den Lauf der Geschichte entscheidend verändern…

Kurz-Rezension: Sehenswerte Filmbiographie von Joe Wright über die ersten Wochen Winston Churchills als britischer Premierminister zu Beginn des Zweiten Weltkriegs. Dem Film gelingt ein vielschichtiges Bild eines streitbaren, durchaus auch fehlbaren Menschen. Gary Oldman erhielt für sein Spiel unter anderem einen Golden Globe und den Oscar als bester Hauptdarsteller.


Three Billboards Outside Ebbing, Missouri


Film-Genre: Tragikomödie
Kino-Start: 25. Januar 2018
Die Tochter von Mildred Hayes (Frances McDormand) wurde vor Monaten ganz in der Nähe ihres Zuhauses vergewaltigt und ermordet, aber noch immer tut sich in dem Fall nichts. Von einem Hauptverdächtigen fehlt jedenfalls noch jede Spur und so langsam glaubt Mildred, dass die örtliche Polizei einfach ihre Arbeit nicht erledigt. Doch anders als ihr Sohn Robbie (Lucas Hedges), der einfach nur sein Leben weiterleben möchte, kann sie das nicht akzeptieren. Darum lässt sie eines Tages an der Straße, die in ihren Heimatort Ebbing, Missouri führt, drei Werbetafeln mit provokanten Sprüchen aufstellen, die sich an Polizeichef William Willoughby (Woody Harrelson) richten. Klar, dass die Situation nicht lange friedlich bleibt. Als sich dann noch Office Dixon (Sam Rockwell) einmischt, ein rassistisches und gewalttätiges Muttersöhnchen, eskaliert die Lage.

Kurz-Rezension: Vielfach ausgezeichnete Tragikomödie von Martin McDonagh über Gewalt, Rassismus und die daraus folgende Ohnmacht. Und zugleich ein zum Nachdenken anregender Film über Schuld, Rache und Versöhnung in der amerikanischen Provinz. Three Billboards Outside Ebbing, Missouri ist ein Film, der sich wie kein zweiter gegen eine simplifizierte Einteilung in Gut und Böse wehrt. Besonders sehenswert sind die schauspielerischen Leistungen von Frances McDormand und Sam Rockwell.


Der seidene Faden


Film-Genre: Drama | Liebesfilm
Kino-Start: 01. Februar 2018
London in den 1950er Jahren: Reynolds Woodcock (Daniel Day-Lewis) ist ein berühmter Damenschneider und begehrter Junggeselle. Gemeinsam mit seiner Schwester Cyril (Lesley Manville) steht er im Zentrum der britischen Modewelt, ihre Marke The House of Woodcock wird vom Adel ebenso geschätzt wie von Filmstars und High-Society-Größen. In Liebesdingen hält sich Reynolds dagegen für verflucht und flüchtet sich von einer Affäre in die nächste. Doch dann tritt Alma (Vicky Krieps) in sein Leben, eine willensstarke Frau, die nicht nur seine Geliebte wird, sondern auch seine größte Inspiration. Aber Alma will nicht nur der Ton in den Händen des großen Künstlers sein, sie stellt Reynolds vor die Herausforderung, einen anderen Menschen mit einer starken Persönlichkeit an seiner Seite zu akzeptieren. Das sorgsam kontrollierte Leben des Designers droht aus den Fugen zu geraten…

Kurz-Rezension: Ruhig inszeniertes, vielfach Oscar-nominiertes Filmdrama von Paul Thomas Anderson, dessen Themen sich zwischen kitschiger Romantik und spannungsvoller Suggestion bewegen und somit vereinzelt an Alfred Hitchcock erinnern (s. Woodcocks Fixierung auf eine Verstorbene und die Omnipräsenz seiner Schwester). Schon allein wegen der mutmaßlich letzten Filmrolle von Daniel Day-Lewis sehenswert.


Transit


Film-Genre: Drama

Kino-Start: 17. Februar 2018
Die deutschen Truppen stehen vor Paris, der Flüchtling Georg (Franz Rogowski) entkommt im letzten Moment nach Marseille. Im Gepäck hat er die Hinterlassenschaft des Schriftstellers Weidel, der sich das Leben genommen hat: Ein Manuskript und Briefe sowie die Zusicherung eines Visums nach Mexiko. In Marseille darf nur bleiben, wer beweisen kann, dass er alsbald abreisen wird. Visa für die möglichen Aufnahmeländer werden gebraucht, Transitvisa – die raren Tickets für die Schiffspassage. Georg erinnert sich der Papiere Weidels und nimmt dessen Identität an. Er taucht ein in die ungefähre Existenz des Transits. Alles verändert sich, als Georg die geheimnisvolle Marie (Paula Beer) trifft und sich in sie verliebt. Ist es Hingabe oder Berechnung, die sie ihr Leben vor der Weiterreise mit dem Arzt Richard (Godehard Giese) teilen lässt, während sie gleichzeitig auf der Suche nach ihrem Mann ist? Der, so erzählt man, sei in Marseille aufgetaucht und in Besitz eines mexikanischen Visums für sich und seine Frau…

Kurz-Rezension: Der Spielfilm orientiert sich lose am gleichnamigen Exilroman von Anna Seghers über die Flucht eines Deutschen vor den Nationalsozialisten während des Zweiten Weltkriegs, verlegt die Geschichte jedoch in die Gegenwart. Geniale Literaturverfilmung mit einem der aktuell besten deutschen Schauspieler, der das Kunststück gelingt, einen historischen Stoff zeitlos zu erzählen.


In den Gängen


Film-Genre: Drama

Kino-Start: 23. Februar 2018
Der schweigsame Christian tritt eine neue Stelle im Großmarkt an. Bruno aus der Getränkeabteilung nimmt ihn streng, aber wohlmeinend unter seine Fittiche und zeigt ihm, wie die Dinge in dem kleinen Universum funktionieren. Die beiden werden schnell Freunde. Auch die anderen Mitarbeiter behandeln Christian bald wie ein Familienmitglied. Als er sich in Marion von den Süßwaren verliebt, drückt der ganze Großmarkt ihrer Liebe ganz fest die Daumen. Einziges Problem: Marion ist bereits verheiratet. Obwohl es heißt, sie sei in ihrer Ehe nicht glücklich, respektiert Christian ihr Gelübde und hält seine Hormone so gut es geht im Zaum. Die beiden kommen sich dennoch näher und bald ist klar, dass auch Marion Gefühle für ihren Kollegen hegt…

Kurz-Rezension: Die Gapelstapler tanzen Walzer: Authentisches Melodram mit stellenweise komödiantischen Anleihen über emotional gestörte Außenseiter. Der Film basiert auf einer Kurzgeschichte von Clemens Meyer und zeigt den Verlust von Selbstbewusstsein und Identifikationsmöglichkeiten in der einstigen DDR. Starke Ensembleleistung der Schauspieler rund um Sandra Hüller und Franz Rogowski.


Der Hauptmann


Film-Genre: Kriegsdrama

Kino-Start: 15. März 2018
In den letzten Wochen des Zweiten Weltkriegs, irgendwo im deutschen Niemandsland: Der Gefreite Willi Herold (Max Hubacher) wird vom gnadenlosen Hauptmann Junker (Alexander Fehling), der ihn für einen Deserteur hält, erbarmungslos gejagt. Doch kurz vor seinem Tod entdeckt Willi in einem Auto am Straßenrand eine mit Orden versehene Hauptmannsuniform der Luftwaffe, die er kurzerhand überstreift. Mit der Uniform schlüpft er schnell auch in die dazugehörige Rolle und beginnt, verstreute Soldaten um sich zu scharen, darunter Freytag (Milan Peschel) und Kipinski (Frederick Lau). Willi testet seine neu gewonnene Autorität aus. Seine ehemaligen Kameraden sind froh, einen vermeintlichen Befehlshaber gefunden zu haben, der ihnen sagt, was sie tun sollen. Doch Herold verfällt schon bald selbst der Versuchung der Macht.

Kurz-Rezension: Kleider machen Leute. Das biographische Schwarz-Weiß-Drama erzählt von den tatsächlichen Gräueltaten des Kriegsverbrechers Willi Herold in der Endphase des Zweiten Weltkriegs. Emotional intensiv schildert der Film die Radikalität des Krieges und die Willkürlichkeit und Zügellosigkeit einzelner Akteure. Allein am Ende kommt etwas der erhobene Zeigefinger durch – wer den Film gesehen hat, weiß, was ich meine.


Lady Bird


Film-Genre: Coming of Age | Drama

Kino-Start: 19. April 2018
Christine McPherson (Saoirse Ronan) ist eine Teenagerin, die ihre Mutter Marion (Laurie Metcalf) liebt – und zugleich mächtig von ihr genervt ist. Die konservative katholische High-School und das Leben in der Kleinstadt allgemein gehen Christine, die sich selbst viel lieber Lady Bird nennt, mächtig auf den Zeiger. Oft denkt sie daran, ihre nordkalifornische Heimatstadt Sacramento endlich zu verlassen. Sie will auf ein College an der Ostküste – dorthin, wo die Künstler und Intellektuellen leben. Doch dafür hat ihre Familie nicht genug Geld und die Noten der jungen Frau sind zu schlecht. Innerhalb eines sehr prägenden Jahres verbringt sie viel Zeit mit ihrer besten Freundin Julie (Beanie Feldstein) und lernt gleich zwei junge Männer kennen, zu denen sie sich stark hingezogen fühlt: Den aus gutem Hause stammenden Danny (Lucas Hedges) und den Musiker Kyle (Thimothée Chalamet)…

Kurz-Rezension: Tragikomischer Come-of-Age-Film der Regisseurin Greta Gerwig mit autobiographischen Zügen über sympathische Mutter-Tochter-Beziehung, deren Gefühlswelt zwischen Genervtheit und aufrichtiger Liebe mit souveränem Humor gezeigt werden, ohne dass dabei die Augen vor sozialen Problemen verschlossen oder zwischenmenschliche Konflikte heruntergespielt werden.


Roman J. Israel, Esq. – Die Wahrheit und nichts als die Wahrheit


Film-Genre: Drama

Kino-Start: 19. April 2018
Innerhalb des überlasteten Gerichtsapparats von Los Angeles sieht sich der idealistische Pflichtverteidiger Roman Israel (Denzel Washington) mit einer Reihe außergewöhnlicher Ereignisse konfrontiert, die sein Leben auf den Kopf stellen. Als sein Mentor stirbt, wird er von einem Unternehmen angestellt, das der ambitionierte Anwalt George Pierce (Colin Farrell) leitet, ein ehemaliger Student ebenjenes Mentors. Über Umwege lernt Roman die Gleichberechtigungsaktivistin Maya Alston (Carmen Ejogo) kennen, doch nach und nach rückt der Aktivismus, der bislang auch ein wichtiger Teil seines Lebens war, für ihn immer mehr in den Hintergrund…

Kurz-Rezension: Wie bei seinem Regiedebüt Nightcrawler rückt Dan Gilroy auch in seinem neuen Film eine Charakterstudie in den Fokus, aus der heraus gesellschaftliche Verhältnisse reflektiert werden. Denzel Washington stellt den Anwalt Roman J. Israel als ein in die Jahre gekommenes Relikt mit autistischen Zügen dar, dessen Moral an der sozialen und juristischen Rücksichtslosigkeit der turbokapitalistischen Gegenwart zu scheitern droht.


Avengers: Infinity War


Film-Genre: Action | Abenteuer

Kino-Start: 26. April 2018
Nachdem Baron Zemos Familie bei der Schlacht von Sokovia ums Leben kam, wofür er die Avengers verantwortlich machte und daher den tückischen Plan entwickelte, Iron Man (Robert Downey Jr.) und Captain America (Chris Evans) gegeneinander aufzuhetzen, gibt es auf der Erde nun zwei Superhelden-Teams. Die zwei rivalisierenden Parteien sind von moralischen Konflikten zerfressen. Die von Tony Stark angeführten Avengers arbeiten gemäß dem Sokovia-Abkommen nun ganz offiziell für die Vereinten Nationen und Captain America führt aus dem Untergrund heraus ebenfalls ein Team von Superhelden an. Dann sehen sie sich allerdings der größten Bedrohung ausgesetzt, die sie jemals erlebt haben. Sie müssen es mit dem Titanen Thanos (Josh Brolin) aufnehmen, der mithilfe der Infinity-Steine die gesamte Galaxie unterjochen will. Doch nicht nur die Avengers sehen im Bösewicht Thanos einen Feind. Auch die Guardians of the Galaxy sind an ihm dran…

Kurz-Rezension: Mit Thanos besitzt der 19. Spielfilm innerhalb des MCU einen der imposantesten und interessantesten Bösewichte, die das Kino bis dato gesehen hat. Wirklichen Mut zum Unerwarteten beweist das Regie-Duo Anthony und Joe Russo jedoch mit dem Ende dieses Science-Fiction-Films, der in seiner konsequenten Radikalität wohl als einer der größten Cliffhanger in die Filmgeschichte eingehen wird.


Solo: A Star Wars Story


Film-Genre: Action | Abenteuer

Kino-Start: 24. Mai 2018
Im Mittelpunkt von Solo: A Star Wars Story steht der junge Schmuggler Han Solo (Alden Ehrenreich), dessen erstes großes Abenteuer gezeigt wird. Solo ist von der Akademie geworfen worden, weil er seinen eigenen Kopf hat – eine Eigenschaft, die er jedoch auch im Anschluss nicht verliert. Sein Mentor, der zwielichtige Gangster Tobias Beckett (Woody Harrelson), schickt ihn auf eine wichtige Mission. Begleitet wird Solo unter anderem von seinem neuen, treuen Freund Chewbacca (Joonas Suotamo), von Qi’Ra (Emilia Clarke), die ihn kennt wie kein anderer – und von Lando Calrissian (Donald Glover).

Kurz-Rezension: Wohl für viele Fans die cineastische Enttäuschung des Jahres 2018. Natürlich ist die Handlung über weite Strecken ziemlich linear, doch ich fand die Entwicklungsgeschichte des legendären Schmugglers durchaus unterhaltsam, da der Film den Space-Western-Spirit der ursprünglichen Star-Wars-Trilogie wiederaufnimmt. Wermutstropfen: Das Ende des Films fühlt sich überlastet und unfertig an. Wenn es eine Fortsetzung geben sollte, dann hoffentlich mit mehr Lando Calrissian.


Feinde – Hostiles


Film-Genre: Western | Drama

Kino-Start: 31. Mai 2018
New Mexico, 1892: Der verdiente Offizier Joseph Blocker (Christian Bale) erhält den Auftrag, den kranken Cheyenne-Häuptling Yellow Hawk (Wes Studi), der die vergangenen sieben Jahre im Gefängnis verbrachte, in dessen Stammesland nach Montana zu begleiten. Der letzte Wunsch des als unerbittlich bekannten Indianers ist es, zu Hause zu sterben. Blocker und Yellow Hawk haben eine gemeinsame Vergangenheit, weswegen Blocker den Auftrag nur äußerst widerwillig annimmt. Gemeinsam mit einigen Soldaten und der Familie des Häuptlings bricht die Truppe auf. Unterwegs stoßen sie auf die junge Witwe Rosalie Quaid (Rosamund Pike), deren gesamte Familie kaltblütig von Komantschen umgebracht wurde. Die traumatisierte Frau schließt sich ihnen an und die Gruppe setzt ihren gefährlichen Weg quer durch das unwegsame Land und eine extrem feindselige Umgebung fort. Schon bald wird klar, dass sie nur als Gemeinschaft im Kampf ums Überleben eine Chance haben…

Kurz-Rezension: Das düstere Westerndrama von Scott Cooper ist für mich der unterschätzteste Film des Jahres. Es überzeugt mit atemberaubenden Landschaftsaufnahmen und realistischen Details (Sprache und Rituale der Cheyenne) sowie charismatischen Schauspielern. Dem Regisseur gelingt es überzeugend, die Verbrechen und den Rassismus der Weißen gegenüber der indigenen Bevölkerung als Fundament der Gewalt zu thematisieren. Mein absoluter Geheimtipp!


Mackie Messer – Brechts Dreigroschenfilm


Film-Genre: Drama

Kino-Start: 29. Juni 2018
Im August 1928 wird im Berliner Schiffbauerdamm Bertold Brechts (Lars Eidinger) Dreigroschenoper uraufgeführt. Das Stück wird zum vollen Erfolg, was den Urheber dazu veranlasst, sein Werk für eine Filmadaption vorzubereiten. Der Komponist Kurt Weill (Robert Stadlober) steht ihm tatkräftig zur Seite, gemeinsam streben sie danach, die Dreigroschenoper auf die große Leinwand zu bringen. Doch ihr Vorhaben, die im 19. Jahrhundert angesiedelte Geschichte rund um den Ganoven Macheath (Tobias Moretti), der mit Polly (Hannah Herzsprung), der Tochter des sogenannten Bettlerkönigs Peachum (Joachim Król), durchgebrannt ist, zu verfilmen, scheitert schon bald an den unterschiedlichsten Absichten von Autor und Produktionsfirma. Während Brecht nicht weniger als den außergewöhnlichsten Film aller Zeiten drehen will, verfolgen die Produzenten rein wirtschaftliche Interessen. Schlussendlich bringt Brecht die Produktionsfirma sogar vor Gericht…

Kurz-Rezension: „Die Dreigroschenoper ist ein Versuch, der völligen Verblödung der Oper entgegenzuwirken!“ In diesem rasanten Spielfilm verwebt Regisseur und Drehbuchautor Joachim A. Lang die wahre Geschichte von Bertolt Brechts fehlgeschlagenem Versuch, den Stoff der Dreigroschenoper zu verfilmen mit zahlreichen und der Handlung daraus. Genial ist die Besetzung von Lars Eidinger als Bertolt Brecht!


Sicario 2: Day of the Soldado


Film-Genre: Action | Krimi

Kino-Start: 19. Juli 2018
Zwei Jahre nach ihrem letzten Einsatz sind FBI-Agent Matt Graver (Josh Brolin) und Auftragskiller Alejandro Gillick (Benicio Del Toro) erneut an der amerikanisch-mexikanischen Grenze unterwegs. Dort herrscht mittlerweile vollkommener Ausnahmezustand. Terroristen schleusen ihre Anhänger massenweise unbemerkt in die USA, wo diese blutige Anschläge verüben. Als ein Selbstmordattentäter in einem Kaufhaus zahlreiche Zivilisten ermordet, soll Alejandro einschreiten und für Matt einen Krieg zwischen den verschiedenen Drogenkartellen vom Zaun brechen. Dazu will er Isabela (Isabela Moner) entführen, die Tochter des Kartellbosses und Schleusers Carlos Reyes. Außerdem hat Alejandro noch eine private Rechnung mit Reyes offen, die er in der Gunst der Stunde begleichen will…

Kurz-Rezension: Bei Sicario 2 handelt es sich um die Fortsetzung des düsteren Genre-Thrillers Sicario über den Drogenkrieg im Grenzgebiet zwischen Mexiko und Arizona. Doch versprühte der erste Teil noch vereinzelt Hoffnung, ist diese in der Fortsetzung nach einem Drehbuch von Taylor Sheridan noch größerer Gewalt und Skrupellosigkeit gewichen. Aus dem ungleichen Kampf zwischen David und Goliath ist eine aussichtslose Sisyphos-Arbeit geworden. Sehenswert ist insbesondere Benicio del Toro in seiner Rolle als resignierender Auftragskiller. Nichts für schwache Nerven!


Mission: Impossible – Fallout


Film-Genre: Action | Thriller

Kino-Start: 02. August 2018
Die Geheimorganisation Impossible Mission Force (IMF) ist nach ihrer vorübergehenden Schließung wieder aktiv. IMF-Chef Alan Hunley (Alec Baldwin) schickt seine Agenten Ethan Hunt (Tom Cruise), Benji Dunn (Simon Pegg) und Luther Stickell (Ving Rhames) auf eine heikle Mission, um hochgefährliches, waffenfähiges Plutonium sicherzustellen, das auf dem Schwarzmarkt angeboten wird. Eine Terroristengruppe plant, es sich unter den Nagel zu reißen und daraus tragbare Atombomben zu bauen. Ihr Ziel: Die Welt in Chaos zu stürzen. Doch Hunts Mission schlägt auf fatale Weise fehl, weil er das Leben seiner Partner über den Erfolg seines Auftrags stellt. Das bringt das IMF unter Druck, sodass die CIA-Chefin Erica Sloane (Angela Bassett) die Geduld verliert und ihren berüchtigten Agenten August Walker (Henry Cavill) zur Verstärkung schickt…

Kurz-Rezension: Der atemberaubende Action-Blockbuster von Christopher McQuarrie bietet nicht nur klassische wahnwitzige Action mit opulenten Bildern, sondern auch eine verzwickte Spionage-Geschichte mit doppeltem Boden, die gefühlt alle fünf Minuten auf den Kopf gestellt wird. Tom Cruise ist mit seinen 55 Jahren immer noch topfit und erledigt selbst die gefährlichsten Stunts persönlich. Für mich der beste klassische Actionfilm des Jahres 2018!


BlacKkKlansman


Film-Genre: Krimi | Drama

Kino-Start: 23. August 2018
Die frühen 1970er-Jahre: Der junge Polizist Ron Stallworth (John David Washington) tritt als erster Afroamerikaner seinen Posten als Detective im Colorado Springs Police Department an. Entschlossen, sich einen Namen zu machen, startet der unerschrockene Cop eine aberwitzige und gefährliche Mission – den rassistischen Ku-Klux-Klan zu infiltrieren. Stallworth gibt vor, ein eingefleischter Extremist zu sein und nimmt telefonisch Kontakt zur lokalen Gruppe des KKK auf. Dadurch gelingt es ihm schnell in den inneren Kreis vorzudringen. Er imitiert die Sprache der hasserfüllten Rassisten sogar derart überzeugend, dass er sogar das Vertrauen des Klanführers David Duke (Topher Grace) gewinnt. Als die Undercover-Mission zunehmend komplexer wird, übernimmt Stallworths Kollege Flip Zimmerman (Adam Driver) Rons Rolle in den persönlichen Treffen. Dort erlangt er Insiderwissen über einen tödlichen Plan. Gemeinsam machen sich Stallworth und Zimmerman daran, die Organisation zu Fall zu bringen…

Kurz-Rezension: Dem Kino-Veteranen Spike Lee gelingt mit BlackKkKlansman ein ziemlich unterhaltsamer, kompromissloser Copfilm mit sanfter Reminiszenz an den Blaxploitation-Stil der 70er Jahre. Die Thematik erscheint aktueller denn je, insbesondere vor dem Hintergrund der Präsidentschaft Donald Trumps und den Ausschreitungen rund um die rechtsextremen Unite the Right-Kundgebungen in Charlottesville. Dieser Film will ein wütendes Statement gegen den Rechtsruck nicht nur in Amerika sein und das ist ihm auch gelungen.


Bad Times at the El Royale


Film-Genre: Krimi | Thriller

Kino-Start: 11. Oktober 2018
Das heruntergekommene Hotel El Royal an einem Abend in den Sechzigern: Es ist ein merkwürdiger Haufen von Leuten, die der Concierge Miles Miller (Lewis Pullman) heute in Empfang nimmt, bestehend aus dem Priester Daniel Flynn (Jeff Bridges), der Sängerin Darlene Sweet (Cynthia Erivo), dem Staubsaugervertreter Laramie Seymour Sullivan (Jon Hamm) und einer mysteriösen Unbekannten (Dakota Johnson). Jeder dieser Gäste merkt, dass etwas im Hotel ganz und gar nicht stimmt. Ein Zimmer wurde mit Abhörgeräten geradezu überhäuft, die Zimmerbewohner können außerdem ganz einfach beobachtet werden und der Priester schüttet Darlene etwas in ihr Getränk. Als dann auch noch der Sektenführer Billy Lee (Chris Hemsworth) anreist, ist endgültig klar, dass alles andere als eine normale Nacht im El Royal bevorsteht…

Kurz-Rezension: Dem nostalgischen Charme des El Royale kann man sich nur schwerlich entziehen. Der Mystery-Thriller von Regisseur Drew Goddard lebt von seinen zahlreichen Neo-Noir-Elementen popkulturellen Referenzen und ist für mich dadurch eine der Überraschungen des Jahres 2018. Die Arbeit von Goddard erinnert streckenweise an die von Martin Scorsese und Quentin Tarantino. Hervorzuheben ist die schauspielerische Leistung von Jeff Bridges und Cynthia Erivo, ebenso wie die kreative Integration des Soundtracks. Ganz klar einer der besten Filme 2018!


The Guilty


Film-Genre: Thriller

Kino-Start: 18. Oktober 2018
Der ehemalige Polizist Asgar Holm (Jakob Cedergren) arbeitet mittlerweile in einer Notrufzentrale. Eines Tages erhält er einen Anruf von der verängstigten Iben (Jessica Dinnage), die neben ihrem Entführer im Auto sitzt und so tut, als würde sie mit ihrer Tochter telefonieren. Asger will der entführten Frau unbedingt helfen, was aber übers Telefon gar nicht so leicht ist, denn schnell kommt der Entführer hinter Ibens Notruf und bricht die Verbindung ab. Nun beginnt für Asger ein Wettlauf gegen die Zeit. Dabei ist seine einzige Waffe das Telefon. Während er alles in seiner Macht stehende tut, um die Frau ausfindig zu machen, muss er bald feststellen, dass er es mit einem weitaus größeren Verbrechen zu tun hat, als anfangs angenommen…

Kurz-Rezension: Aufreibender, fast klaustrophobischer Thriller des dänischen Regisseurs Gustav Möller. Das Kammerspiel – die Kamera verlässt kein einziges Mal das Büro des Polizisten Asger – ist nicht nur ein minimalistischer aber ungemein spannender Thriller, sondern auch eine detaillierte Charakterstudie des Protagonisten. Und er stellt uns die Frage, was uns eigentlich zum Handeln antreibt. Denn es sind oft die besten Absichten, die sich dann ins Gegenteil verkehren. Unbedingt anschauen!


Aufbruch zum Mond


Film-Genre: Historie | Drama

Kino-Start: 08. November 2018
Der Ingenieur Neil Armstrong (Ryan Gosling) arbeitet Anfang der 60er Jahre als Testpilot für Jets und Raketenflugzeuge und hat mit seiner Frau Janet (Claire Foy) und den beiden Kindern Rick (Gavin Warren) und Karen (Lucy Stafford) eine liebende Familie hinter sich, die ihm den Rücken stärkt. Sein ganzes Leben verändert sich jedoch, als seine Tochter an einem Gehirntumor stirbt. Eine neue Herausforderung findet Armstrong, als die NASA für ein Mondprogramm Piloten mit Ingenieurswissen sucht. Er nutzt die Chance und zieht mit seiner Familie nach Houston, wo er eine Ausbildung zum Astronauten beginnt. Nach etlichen Strapazen und Testflügen kämpft sich der professionelle Ingenieur bis an die Sputze und wird bald gemeinsam mit Buzz Aldrin (Corey Stoll) und Mike Collins (Lukas Haas) mit der Apollo-11-Mission zum Mond geschickt…

Kurz-Rezension: Das Historiendrama basiert auf der von Neil Armstrong autorisierten Biographie First Man: The Life of Neil A. Armstrong von James R. Hansen. Eindringlich schildert der Film von Regisseur Damien Chazelle die lange Vorlaufzeit dieser Pioniermission und die physischen und psychischen Belastungen, die dem berühmtesten Schritt der Menschheit vorausgingen. Als Zuschauer wird man selbst so durchgerüttelt, als wäre man selbst Teil der Apollo-Mission. Großes Kino!


The Ballad of Buster Scruggs


Film-Genre: Tragikomödie

Netflix-Start: 16. November 2018
The Ballad of Buster Scruggs
ist in sechs Episoden unterteilt, die alle im Wilden Westen spielen. Im Zentrum des ersten Segments steht der titelgebende Songster Buster Scruggs (Tim Blake Nelson). Near Algodones erzählt die Geschichte eines missglückten Banküberfalls, bei dem der Bankräuber (James Franco) schließlich schuldig gesprochen wird. Ein Impresario (Liam Neeson) und sein Künstler (Harry Melling) reisen in Meal Ticket als Schausteller um die Welt. In All Gold Canyon sucht ein einsamer Goldschürfer (Tom Waits) nach dem ganz großen Fund. Alice Longabaugh (Zoe Kazan) ist The Gal Who Got Rattled und findet nach dem Tod ihres Mannes unerwartet die große Liebe. Den Abschluss bildet die Episode The Mortal Remains, in der sich mehrere Fremde in einer unheimlichen Kutsche treffen.

Kurz-Rezension: Der neue, schwarzhumorige Geniestreich von Ethan und Joel Coen, ursprünglich als sechsteilige Serie konzipiert, ist ein herrliches Gleichnis über Amerika, voll von Übermut und blutigen Racheszenen, religiösem Eifer, hoffnungsvollem Idealismus, kaltherzigem Gewinnstreben und naivem Optimismus. Unerschrocken widmen sich die Coen-Brüder der dunklen Seite des American Way of Life und lassen auf diese bitterböse Weise die Luft aus dem Pathos der US-amerikanischen Gründerlegenden. Läuft auf Netflix, also nicht verpassen!


Roma


Film-Genre: Drama

Netflix-Start: 14. Dezember 2018
Die junge Cleo (Yalitza Aparicio) arbeitet in den 1970er Jahren als Hausmädchen für eine mexikanische Familie im namensgebenden Stadtteil Roma in Mexiko-Stadt. Zusammen mit ihrer Kollegin und Freundin Adela (Nancy García) kümmert sie sich nicht nur ums Kochen und Putzen, sondern auf aufopferungsvoll um die drei Kinder des Haushalts. Als sich ihre Arbeitgeber Sofia (Marina de Tavira) und Antonio (Ernando Grediaga) trennen und letzterer zuhause auszieht, hilft sie Sofia, diesen Umstand vor den Kindern geheim zu halten. Als sie selbst von ihrem Freund Fermín (Jorge Antonio Guerrero) schwanger wird, weist dieser die Verantwortung von sich und ergreift feige die Flucht. Für Sofia und Cleo keine einfache Situation. Dann kommt es in der Stadt nach politischen Studentenunruhen plötzlich zu einer Eskalation der Gewalt. Ein Demonstrant wird von rechten Paramilitärs erschossen…

Kurz-Rezension: Stark autobiographisch inspiriertes, impressionistisches Filmdrama über die sozialen Verhältnisse im Stadtteil Colonia Roma, Mexiko-Stadt in den Jahren 1970 und 1971. Regisseur Alfonso Cuaron zeigt zwei durch Klassenunterschiede getrennte Frauen, die die Herausforderungen des Alltags auf jeweils eigene Art meistern – und dennoch in der liebevollen Bemühung um die Kinder verbunden sind. Eine unbedingte Film-Empfehlung!


Honorable Mentions:

Score – Eine Geschichte der Filmmusik, Wonder Wheel, The Cleaners, Nur Gott kann mich richten, Black Panther, Die Verlegerin, Arthur & Claire, Auslöschung, Zwei Herren im Anzug, I, Tonya, Rebel in the Rye, Stronger, Die Macht des Bösen, Unterwerfung, Am Strand, Ant-Man and the Wasp, Mission Impossible – Fallout, The Equalizer 2, A Beautiful Day

Filme, die ich 2018 sonst noch so gesehen habe:

Downsizing, Der andere Liebhaber, The Cloverfield Paradox, Batman: Gotham by Gaslight, Shape of Water – Das Flüstern des Wassers, Batman vs. Two-Face, Game Night, Red Sparrow, Tomb Raider, Josie, Thelma, Maria Magdalena, Matilda, The Death of Stalin, Ready Player One, HERRliche Zeiten, Deadpool 2, Cargo, Batman Ninja, Jurassic World: Das gefallene Königreich, Die Frau, die vorausgeht, Wolfsnächte, Operation Finale, Venom, Bohemian Rhapsody, Outlaw King, Juliet Naked, Under the Silver Lake, Mogli: Legende des Dschungels, Black Mirror: Bandersnatch