Siebzehn Wochen nach der Bundestagswahl hat Deutschland immer noch keine voll handlungsfähige Bundesregierung. Mit Blick auf die wohl komplizierten Sondierungsgespräche im neuen Jahr wird wohl auch noch einige Zeit ins Land gehen, bevor wir tatsächlich wissen, wohin die Reise geht. Ideale Gelegenheit also, einige der Filme nachzuholen, die man im Laufe des Jahres verpasst hat. Pünktlich zum Jahresende melde ich mich deswegen nach einer etwas längeren Auszeit mit meiner Top20-Liste der besten Filme des Jahres zurück. Ein bisschen erschreckend ist es ja schon, wenn ich an die Anzahl der Filme zurückdenke, die ich so gesehen habe…

Der Comic-Boom hielt auch 2017 weiter an: Die Filme des MCU (Guardians of the Galaxy: Vol. 2, Spider-Man: Homecoming, Thor: Tag der Entscheidung) mussten sich mit den Herausforderern aus dem Hause DC (Wonder Woman, Justice League) messen. Doch aus dem DC Extended Universe konnte mich letztendlich lediglich Wonder Woman überzeugen. Justice League dagegen merkt man die Schwierigkeiten im Produktionsverlauf deutlich an, unter anderem wurden die Regisseure gewechselt. Hinzu gesellen sich aus meiner Sicht aber auch einige strategische Fehler: So werden neue Charaktere (Aquaman, The Flash) nur ungenügend eingeführt – dies soll wohl erst in jeweils eigenen Filmen im nächsten Jahr geschehen. Dabei ist Justice League unter handwerklichen Aspekten eigentlich kein komplett missratener Film (wie etwa Filmkritiker Wolfgang M. Schmitt jr. meint), das Drehbuch strotzt aber selbst für eine Blockbuster-Produktion vor dramaturgischen Problemen und humorlosen, hölzernen Dialogen. Den Wettstreit mit Marvel hat DC im Kino zumindest im Jahr 2017 wohl verloren. Vielleicht ist es jetzt einfach an der Zeit für einen ultimativen Neustart des DC-Franchise. Folgerichtig wurde die Fortsetzung Justice League 2, die eigentlich 2019 in die Kinos kommen sollte, auf unbestimmte Zeit verschoben. Wenn ich an die Dark Knight-Trilogie von Christopher Nolan zurückdenke: Verdammt, macht mir meinen Batman nicht mit Mainstream-Schrott kaputt…

Apropos Nolan: Der Brite bewies mit dem Kriegsdrama Dunkirk einmal mehr, dass zu den Regisseuren zählt, die den Spagat zwischen Blockbuster- und Autorenkino beherrschen. Überdies ist erfreulicherweise ein sanfter Trend hin zur Science-Fiction auszumachen. Hier überzeugte mich insbesondere Bladerunner 2049. Der Film von Regisseur Denis Villeneuve ist ein würdiger Nachfolger des stilbildenden Klassikers aus dem Jahr 1982 und für mich eindeutig einer der besten Filme 2017.

Allerdings musste ich mich über so manchen eingedeutschten Filmtitel wundern. Den Preis für den dämlichsten Namen räumt in meinen Augen das Drama des griechischen Regisseurs Argyris Papadimitropoulos Nacktbaden – Manche bräunen, andere brennen ab, im Original schlicht Suntan. Was auf den ersten Blick eine etwas trashige Produktion erwarten lässt, entpuppt sich in Wirklichkeit jedoch als durchaus sehenswerte Tragikomödie über das Älterwerden und die Grenzenlosigkeit der Jugend. Doch nun zu den zwanzig Filmen, die man im Jahr 2017 auf jeden Fall gesehen haben sollte – in chronologischer Reihenfolge. Per Klick auf das Filmplakat geht’s zum jeweiligen Trailer.

Wilde Maus


Film-Genre: Ko
mödie
Kino-Start: 11. Februar 2017 

Georg (Josef Hader) ist 50 und arbeitet als Musikkritiker für eine Zeitung in Wien. Als er unvermittelt seinen Job verliert, weil sein Boss Waller (Jörg Hartmann) sparen will, verheimlicht er das vor seiner Ehefrau Johanna (Pia Hierzegger) und übt stattdessen des Nachts Rache an seinem einstigen Chef. Von anfänglicher Sachbeschädigung wächst sich sein privater Terror mit der Zeit zu immer heftigeren Attacken aus. In der freien Zeit, die der arbeitslose Georg nun tagsüber hat, zimmert er mit seinem alten Schulfreund Erich (Georg Friedrich) und mit Nicoletta (Crina Semciuc), Erichs Freundin aus Rumänien, derweil an einer alten Achterbahn, die er wieder fahrtauglich machen will. Erich hat in der Vergangenheit mit seinem Job ähnliche Ungerechtigkeiten hinnehmen müssen wie Georg und so finden die beiden Männer in dem jeweils andere einen Verbündeten darin, ihre bürgerlichen Existenzen unaufhaltsam hinter sich zu lassen.

Kurz-Rezension: Hader bleibt Hader – und das ist auch gut so. Wilde Maus, die erste Regiearbeit des liebenswerten Misanthropen, ist eine fast schon groteske Achterbahnfahrt mit lakonischen aber ungemein ehrlichen Dialogen über das Auf und Ab im Leben. Der Wahnsinn beginnt, wenn der Job weg ist: Schwarzer Humor par excellence.

Fences


Film-Genre: Drama
Kino-Start: 16. Februar 2017

Die 50er Jahre in Pittsburgh, USA: Der afroamerikanische Ex-Baseballspieler Troy Maxson (Denzel Washington) ist Müllmann und trägt schwer daran, es als Sportler nie dahin geschafft zu haben, wo er hinwollte – und auch sein Privatleben ist problembelastet. Troys Familie besteht aus Ehefrau Rose (Viola Davis), die alle von Troys Launen kennt und sie genauso erträgt wie sein erratisches Verhalten. Die Familie besteht weiter aus Sohn Cory (Jovan Adepo), einem Teenager mit Ambitionen auf eine Footballkarriere, die vom Vater dadurch torpediert wird, dass der seine eigenen sportlichen Enttäuschungen auf den Sprössling projiziert. Außerdem sind da Lyon (Russell Hornsby), Troys Sohn aus einer vorherigen Ehe, ein finanziell klammer Jazzmusiker in seinen Dreißigern, und Troys jüngerer Bruder Gabriel (Mykelti Williamson), ein Kriegsveteran. Diese Familie droht zu zerreißen, als der innerlich zerrissene Troy fragwürdige Entscheidungen trifft…

Kurz-Rezension: Authentisches afroamerikanisches Familiendrama, das auf einem Theaterstück von August Wilson aus dem Jahre 1987 basiert und das Scheitern des amerikanischen Traums, die Zerbrechlichkeit der damit verbundenen Hoffnungen und den individuellen Kampf um soziale Anerkennung beschreibt. Definitiv einer der besten Filme des Jahres!

Logan – The Wolverine


Film-Genre: Action | Drama
Kino-Start: 17. Februar 2017

In naher Zukunft sind Mutanten Geschichte, beinahe jedenfalls: Der gealterte Logan alias Wolverine (Hugh Jackman) ist einer der wenigen verbleibenden Menschen mit außergewöhnlichen Kräften und verbringt seine Tage an einem verlassenen Flecken Erde nahe der Grenze zu Mexiko, wo er sein Geld als Fahrer verdient und ihm nur zwei weitere Mutanten Gesellschaft leisten: Caliban (Stephen Merchant) und Charles Xavier alias Professor X (Patrick Stewart), dessen einst so brillanter und mächtiger Verstand von regelmäßigen Anfällen heimgesucht wird. Doch Logans selbstauferlegtes Exil endet eines Tages abrupt, als eine mysteriöse Frau ihn darum bittet, sich um die junge Mutantin Laura (Dafne Keen) zu kümmern und diese in Sicherheit zu bringen. Bald schon muss sich der krallenbewehrte Krieger mit dunklen Mächten und einem Bösewicht aus seiner eigenen Vergangenheit auseinandersetzen, um Laura zu beschützen…

Kurz-Rezension: Der dritte und letzte Solo-Auftritt von Wolverine ist auch sein bester und aufregenster. Regisseur James Mangold bereitet Hugh Jackman einen großen, staubigen Abschied und zitiert dabei mit Shane von George Stevens einen der besten Western überhaupt. Der Titelheld ist kein Held, nicht mehr die ikonische Comicfigur aus den Vorgängerfilmen, sondern ein ambivalentes Wrack, das in der heutigen Welt nicht mehr gebraucht wird. Wer auf düstere Roadmovies steht, ist mit Logan – The Wolverine bestens bedient!

A Cure for Wellness


Film-Genre: Mystery | Thriller
Kino-Start: 23. Februar 2017

Weil der CEO der Firma, in der er arbeitet, viel zu lang in einem Wellness-Center in den Schweizer Alpen verweilt, macht sich der ehrgeizige junge Angestellte Mr. Lockhart (Dane DeHaan) auf nach Europa, um seinen Chef Mr. Pembroke (Harry Groener) zurückzuholen. Dort angekommen, stellt er alsbald fest, dass die Einrichtung nicht der idyllische Heiltempel ist, als der sie sich nach außen hin darstellt. Weil er zu viele Fragen stellt, diagnostiziert das Personal schließlich auch Lockhart mit der seltsamen Krankheit, die hier alle Patienten festzuhalten scheint. Unter Direktion des rätselhaften Spa-Leiters Volmer (Jason Isaacs) beginnt die Behandlung und sein Verstand wird auf die Probe gestellt. Gemeinsam mit Langzeitpatienten Hannah (Mia Goth) stellt Lockhart jedoch gleichzeitig weiterhin Nachforschungen an, um dem Geheimnis der Einrichtung auf den Grund zu gehen…

Kurz-Rezension: Düster-makabrer Horrorthriller von Gore Verbinski mit deutlichen Bezügen zu Edgar Allan Poe, Thomas Manns Zauberberg, Stanley Kubricks Shining und Martin Scorsceses Shutter Island. Insbesondere die Arbeit von Kameramann Bojan Bazelli (die Zug-Szene!), sowie eine bemerkenswerte schauspielerische Leistung machen A Cure for Wellness zu einem meiner neuen Lieblingsfilme.

 Silence


Film-Genre:
Drama | History
Kino-Start: 02. März 2017

Im Jahre 1638 brechen Pater Sebastião Rodrigues (Andrew Garfield) und Pater Francisco Garupe (Adam Driver) von Portugal ins für die westliche Welt völlig abgeschottete Japan auf, um der Wahrheit hinter den undenkbaren Gerüchten nachzugehen, dass ihr berühmter Lehrer Cristóvão Ferreira (Liam Neeson) seinem Glauben abgeschworen habe. Nach ihrer Ankunft erleben sie die brutale und unmenschliche Verfolgung der Christen durch die japanischen Machthaber. Angesichts der Ereignisse in einer Gesellschaft, die keine Toleranz kennt und in der der Tod an der Tagesordnung ist, stellt sich Sebastião auf seiner Reise durch das von der Gewaltherrschaft der Shogune zerrissene Land die immerwährende Frage: Wie kann Gott zu all dem schweigen?

Kurz-Rezension: Silence ist ein leises, langsames aber ungemein vielschichtiges Lehrstück über Toleranz, ideologische Verbohrtheit, die Gefahren von Religion und die Gradwanderung zwischen Glaube und Fanatismus – allesamt Motive, die das Œuvre von Martin Scorsese seit jeher begleiten. Ein Film zum Nachdenken und daher sehr sehenswert.

Moonlight


Film-Genre:
Drama | Coming-of-Age-Film
Kino-Start: 09. März 2017

Der neunjährige, „Little“ genannte Chiron (Alex R. Hibbert) spricht nicht viel. Er frisst den Kummer in sich hinein, den seine alleinerziehende Mutter Paula (Naomie Harris) mit ihrer Drogensucht verursacht. Es braucht eine Ersatzfamilie, den Drogenhändler Juan (Mahershala Ali) und dessen Freundin Teresa (Janelle Monáe), damit sich der Junge langsam öffnet. Als Teenager (Ashton Sanders) hat Chiron dann starke Probleme an der Highschool – weil er anders ist, mit seinem besten Kumpel und Schulkameraden (Jharrel Jerome) die ersten homosexuellen Erfahrungen macht. Schließlich, mit Ende 20, hat Chiron die Opferrolle abgelegt. Er nennt sich Black (Trevante Rhodes) und macht sein Geld als Drogendealer. Ein überraschender Anruf von Kevin (André Holland) aber löst etwas in ihm aus: Der Freund von früher, inzwischen ein Koch, bittet Black, ihn in Miami zu besuchen…

Kurz-Rezension: Oscar-prämiertes, vielschichtiges Coming-of-Age-Drama über die Identitätsfindung eines jungen Afroamerikaners zwischen Geschlechterstereotypen, männlichen Rollenbildern und dem Kreislauf sozialer Marginalisierung. Sollte man gesehen haben!

Verleugnung


Film-Genre: Drama | History
Kino-Start: 13. April 2017

Die amerikanische Schriftstellerin Deborah E. Lipstadt (Rachel Weisz) kann Menschen wie den britischen Historiker David Irving (Timothy Spall) nicht ausstehen. Der englische Autor behauptet in seinen Schriften, dass es den Holocaust nie wirklich gegeben habe und Adolf Hitler in seiner Rolle als Nazi-Führer stark verzerrt und dämonisiert dargestellt worden ist. Deshalb zeichnet Lipstadt ihn als Holocaust-Leugner. Um ihrer Anschuldigung entgegenzuwirken, klagt er erboste Irving sie daraufhin der Verleumdung an. Es kommt zu einem Gerichtsprozess, in Folge dessen die US-Amerikanerin beweisen muss, dass die Nazi-Verbrechen in den Konzentrationslagern tatsächlich stattgefunden haben und dass Irving historische Daten manipuliert hat…

Kurz-Rezension: Auf einem wahren Fall basierendes Gerichtsdrama, bei dem der Zuschauer viel über das britische Rechtssystem lernt. In Zeiten, in denen „alternative Fakten“ fortlaufend rezipiert werden und mithin fast schon gesellschaftlich akzeptiert sind, ein aktueller und wichtiger Film.

Pilgrimage: Gottes Wege sind blutig


Film-Genre: Abenteuer | History
Kino-Start: 23. April 2017
Pilgrimage beginnt im Irland des 13. Jahrhunderts: Obwohl das Reisen in diesen Zeiten keinesfalls sicher ist, verlassen ein paar Mönche ihr Kloster in Irland. Ihre Aufgabe ist es, auf einer Pilgerreise bis nach Italien zu gelangen. Doch der lange Weg dient, wie bei so vielen anderen Gläubigen, nicht nur der Festigung ihrer Bindung zu Gott und Kirche, sondern hat noch ein anderes Ziel: Die Gottesmänner haben nämlich ein wertvolles Gut im Gepäck. In Rom sollen sie das allerheiligste Relikt ihres Klosters abliefern. Aber während es zunächst ihr fester Glaube ist, der sie zusammenhält, wird dieser mit den zurückgelegten Kilometern auch zunehmend zu dem Faktor, der die Gruppe zu zerreißen droht.

Kurz-Rezension: Historisch akkurates, düster-atmosphärisch inszeniertes Historiendrama über Moral, Glauben und vorsichtiger Religionskritik im tiefsten Mittelalter. Die glaubwürdige Leistung des gesamten Casts entschädigt für einige Schwächen in der Charakterinszenierung.

Guardians of the Galaxy: Vol. 2


Film-Genre: Action | Abenteuer
Kino-Start: 27. April 2017
Gerade erst sind in Guardians of the Galaxy aus Feinden Freunde geworden und schon machen die fünf Verbündeten gemeinsam das All unsicher. Peter Quill (Chris Pratt), Gamora (Zoe Saldana), Rocket Raccoon (Bradley Cooper), Groot (Vin Diesel) und Drax the Destroyer (Dave Bautista) bereisen als Weltraum-Abenteurer diesmal nicht nur bereits bekannte Orte, sondern stoßen auch in neue Winkel der Galaxie vor. Nachdem die vergangenen Erlebnisse ihnen einige Rätsel aufgegeben haben, machen sie sich nun daran, diese zu lösen. „Star-Lord“ Peter Quill hat beispielsweise gerade entdeckt, dass er nicht rein menschlicher Herkunft ist und – auch wenn er es noch nicht weiß – rückt ein Zusammentreffen mit seinem Vater nun in greifbare Nähe.

Kurz-Rezension: Guardians of the Galaxy 2 macht nicht vieles neu, dafür vieles gut: Actionreiche Comicadaption von Regisseur und Drehbuchautor James Gunn mit einer Menge schrägem Witz, rasantem Tempo, Augenzwinkern, einer großen Portion popkultureller Referenzen und einem grandiosen Soundtrack (u.a. mit Cat Stevens und Fleetwood Mac).

Get Out


Film-Genre: Mystery | Thriller
Kino-Start: 04. Mai 2017

Der afroamerikanische Fotograf Chris (Daniel Kaluuya) und seine weiße Freundin Rose (Allison Williams) sind seit mittlerweile fünf Monaten ein Paar. Als Rose ihm ihre Eltern vorstellen möchte, stimmt Chris wohl oder übel zu, auch wenn ihn die Sorge umtreibt, wie Roses Eltern auf den schwarzen Freund ihrer Tochter reagieren werden. Doch zunächst erweisen sich Chris‘ Bedenken scheinbar als völlig unnötig: Dean (Bradle Whitford) und Missy (Catherine Keener) bereiten den beiden einen herzlichen Empfang und scheinen sich an der Hautfarbe des Partners ihrer Tochter überhaupt nicht zu stören. Doch dann entdeckt Chris, dass die schwarzen Hausangestellten der Familie nicht nur die einzigen Schwarzen in der ganzen Umgebung sind, sondern auch seltsam abwesend und untertänig wirken. Irgendetwas scheint hier nicht mit rechten Dingen zuzugehen…

Kurz-Rezension: Schauriger Mystery-Horror-Thriller mit zahlreichen Comedy-Elementen von Regisseur Jordan Peele über den versteckten Alltagsrassismus einer liberalen Wohlstandsgesellschaft, deren Bewohner gerne über ihre Vorliebe für Rap-Musik reden, Barack Obama wählen und sich als Fans von Tiger Woods outen. Peele ermöglicht es dem Zuschauer, für die Dauer des Films in die Perspektive einer schwarzen Person zu schlüpfen. Grandios gespielt, besonders von Daniel Kaluuya – unbedingt anschauen!

Wonder Woman


Film-Genre: Action | Abenteuerfilm
Kino-Start: 15. Juni 2017
Diana (Gal Gadot) stammt von Themyscira, der Insel der Amazonen, auf der Frauen regieren und es keine Männer gibt. Doch auch auf dem paradiesisch wirkenden Eiland geht es um Macht und Kampf. Schon als Kind lernt Diana von ihrer Tante Antiope (Robin Wright) das Kämpfen. Als der amerikanische Pilot Steve Trevor (Chris Pine) auf der Insel strandet und von einem grauenvollen Krieg berichtet, der in der Welt der Menschen tobt, vermutet Diana dahinter das Wirken des vor langer Zeit verbannten Kriegsgottes Ares. So folgt sie Steve in unsere Welt und lässt ihr Zuhause mit ihrer Mutter, Königin Hippolyta (Connie Nielsen), hinter sich, um Ares dort zu suchen, wo das Schlachtgetümmel am dichtesten ist. Doch in den Wirren des Ersten Weltkriegs bekommt sie es zunächst mit dem deutschen Heerführer General Ludendorff (Danny Huston) und dessen getreuer Wissenschaftlerin Dr. Maru (Elena Anaya) zu tun, die den Krieg mit allen Mitteln für sich entscheiden wollen…

Kurz-Rezension: Endlich eine starke Frauenfigur im Kino – der Regisseurin Patty Jenkins gelingt es sogar, mit diesem Coming-of-Age-Film das totgeglaubte DC-Franchise wiederzubeleben. Sie inszeniert Gal Gadot glaubhaft als Amazonenprinzessin, die selbstbewusst ihren eigenen Weg geht. Dabei besitzt Wonder Woman neben ihren übermenschlichen Kräften auch menschliche Eigenschaften, sie wirkt stark und verletzlich zugleich. Bemerkenswert ist außerdem der phänomenale Score. Eine Fortsetzung ist schon in Arbeit und soll während des Kalten Kriegs in den 1980er Jahren spielen.

Ihre beste Stunde


Film-Genre: Liebeskomödie
Kino-Start: 06. Juli 2017

London im Zweiten Weltkrieg: Catrin Cole (Gemma Arterton) wird vom British Ministry of Information damit beauftragt, das Drehbuch zu einem Propagandafilm zu überarbeiten und dem Skript eine weibliche Note zu verpassen. Schnell erweckt Catrin mit ihrer lebhaften Art die Aufmerksamkeit des schneidigen Filmemachers Tom Buckley (Sam Claflin), dem sie unter normalen Umständen wohl nie über den Weg gelaufen wäre. Während der Krieg um sie herum tobt, arbeiten Catrin, Buckley und ihre bunt zusammengewürfelte Filmcrew fieberhaft daran, einen Film zu drehen, der das Herz der ganzen Nation erwärmt und dafür sorgt, dass die Menschen wieder Mut schöpfen. Während Catrins Freund, der Künstler Ellis (Jack Huston), ihre neu gefundene Arbeit naserümpfend betrachtet, ist sie bald Feuer und Flamme für den Job, der hinter der Kamera aber nicht nur viel Spaß, sondern auch großes Drama zu bieten hat – ganz wie die Geschichten, die sie für die Leinwand schreibt.

Kurz-Rezension: Ihre beste Stunde basiert auf dem Roman Their Finest Hour and a Half von Larissa Evans aus dem Jahr 2009. Der Film zeigt einen humorvollen Blick hinter die Kulissen der britischen Filmindustrie mit vielen Anspielungen auf bekannte Propagandafilme dieser Zeit. Der Cast ist stark: insbesondere Bill Nighy überzeugt als Filmstar, der seinen Zenit längst hinter sich hat.

Spider-Man: Homecoming


Film-Genre: Action | Abenteuer
Kino-Start: 13. Juli 2017

Nach seinem Aufeinandertreffen mit den Avengers ist Peter Parker alias Spider-Man (Tom Holland) wieder zurück in New York, wo er bei seiner Tante May (Marisa Tomei) wohnt. Seitdem er mit bzw. gegen die anderen Helden kämpfte, fragt er sich, ob er mit seinen herausragenden Fähigkeiten nicht mehr machen sollte, als nur die freundliche Spinne aus der Nachbarschaft zu sein, die den einen oder anderen Einbruch verhindert und Taschendiebe stoppt. Doch daneben muss der von seinem neuen Mentor Tony Stark (Robert Downey Jr.) geförderte Jugendliche auch noch den Alltag als Teenager an einer Highschool, wo er sich in Liz (Laura Harrier) verguckt hat. Blöd, dass ausgerechnet in dieser Situation ein Bösewicht für Unruhe sorgt, der technisch bestens ausgestattet und von unstillbarem Rachedurst getrieben ist: der Vogelmann Vulture (Michael Keaton)…

Kurz-Rezension: Eher Highschool- als Superhelden-Film und definitiv der beste Spiderman-Film aller Zeiten. Jon Watts Inszenierung legt den Fokus klar auf das komödiantische Potenzial von Peter Parkers unfertiger Superheldenexistenz. Die schauspielerische Leistung von Tom Holland und Michael Keaton sind hervorragend – daher unbedingt in der englischen Originalversion schauen!

Dunkirk


Film-Genre: Kriegsfilm | Drama
Kino-Start: 27. Juli 2017

Mai 1940, der Zweite Weltkrieg tobt: Die Nazis haben die französische Hafenstadt Dunkerque eingekesselt und verdeutlichen den Bewohnern und den 400.000 dort stationierten Soldaten mit Flugblättern die scheinbar ausweglose Lage. Denn durch die feindlichen Truppen auf der einen Seite und das Wasser auf der anderen scheint es keine Chance auf Überleben zu geben. Doch in Großbritannien ersinnt man eine kühne Rettungsmission, von der zunächst nur die wenigsten glauben, dass sie Aussicht auf Erfolg haben kann: Während die eingekesselten Soldaten, darunter Tommy (Fionn Whitehead), Alex (Harry Styles) und Gibson (Aneurin Barnard), am Boden ums Überleben kämpfen, sorgen Piloten der Royal Airforce wie Farrier (Tom Hardy) in ihren Spitfires für Feuerschutz aus der Luft. Gleichzeitig eilen Zivilisten wie Mr. Dawson (Mark Rylance) den eingekesselten Soldaten mit ihren kleinen Booten übers Wasser zu Hilfe.

Kurz-Rezension: Weitgehend unblutiges, aber dennoch tief erschütterndes Kriegsdrama von Christopher Nolan über die bis dato größte militärische Rettungsaktion der Weltgeschichte, das den Zuschauer aus dem Kinosessel holt und mitten ins Geschehen katapultiert. Dank packender Szenen kontrastiert Dunkirk meisterhaft die unterschiedlichen Perspektiven aller am Geschehen Beteiligten. Allein an die verschachtelte Erzählweise muss man sich zunächst gewöhnen –  dennoch für mich ein heißer Anwärter auf die Oscar-Verleihung 2018.

Atomic Blonde


Film-Genre: Thriller | Action
Kino-Start: 24. August 2017

Berlin im November 1989: Kurz vor dem Fall der Berliner Mauer wird ein MI6-Offizier tot aufgefunden. Er sollte Informationen einer geheimen Quelle auf der Ostseite der Stadt in den Westen schmuggeln – genauer gesagt: eine Liste mit allen Namen der auf beiden Seiten Berlins tätigen Spione. Doch die Liste wird bei der Leiche nicht gefunden. Gebrieft von ihrem Vorgesetzten Gray und dem CIA-Chef wird die erfahrende Spionin Lorraine Broughton (Charlize Theron) in das Pulverfass sozialer Unruhen, Spionageabwehr, gescheiterter Missionen und geheimer Hinrichtungen geschickt, um die streng vertrauliche Liste und damit die Identität britischer Agenten zu sichern, deren Leben davon abhängen. Lorraine trifft den Ex-Geheimdienstler David Percival (James McAvoy), der ein wichtiger Kontaktmann ist – und sie trifft die verführerische französische Agentin Delphine (Sofia Boutella) …

Kurz-Rezension: David Leitch (Co-Regisseur von John Wick) gelingt mit ästhetischen Bildern und einer starken Protagonistin eine spannende Adaption des Comics The Coldest City. Charlize Theron prügelt sich zu cooler Achtzigerjahre-Musik (Nena, David Bowie, Depeche Mode) durch das geteilte Berlin. Kein tiefschürfendes Autorenkino, dennoch gute Unterhaltung.

Logan Lucky


Film-Genre: Action | Komödie
Kino-Start: 14. September 2017

Die Brüder Jimmy (Channing Tatum) und Clyde Logan (Adam Driver) haben es wirklich nicht leicht: Der impulsive Jimmy neigt zu Gefühlsausbrüchen und verliert dadurch einen Job nach dem anderen, Clyde hingegen hat zwar einen festen Job als Barkeeper, wird aber von seinen Gästen schikaniert, weil er einen Arm verlor und deshalb eine Prothese trägt. Ihre zunehmenden Geldsorgen wollen die Brüder beenden, indem sie beim bekanntesten NASCAR-Rennen der Welt, dem Coca-Cola 600, einen genialen Raubüberfall durchführen. Ihre Schwester Mellie (Riley Keough) soll helfen, weitere Unterstützung für seinen Coup erhofft sich das vom Pech verfolgte Duo vom legendären Bankräuber Joe Bang (Daniel Craig) – der allerdings erst befreit werden muss, weil er momentan hinter Gittern sitzt. Und auch nachdem das vollbracht ist, geht der Plan natürlich nicht so reibungslos über die Bühne, wie Jimmy und Clyde sich das vorgestellt haben…

Kurz-Rezension: Regisseur Steven Soderbergh inszeniert mit Logan Lucky ein Redneck-Gegenstück zu seinem Heist-Movie-Hit Ocean‘s Eleven. Ihm gelingt dabei ein regelrechtes Gag-Feuerwerk mit zahlreichen doppeldeutigen Dialogen. Insbesondere Daniel Craig – sonst äußerst stilsicher als James Bond unterwegs – überzeugt als Hillbilly-Safeknacker aus den Südstaaten.

Mother!


Film-Genre: Drama | Horror
Kino-Start: 14. September 2017

Ein Dichter (Javier Bardem) und seine Ehefrau (Jennifer Lawrence) haben sich in die Abgeschiedenheit eines viktorianischen Landhauses zurückgezogen. Er versucht, seine Schreibblockade zu überwinden. Sie richtet das Haus ein, kocht Essen, wäscht – und wird zunehmend von alptraumhaften Eindrücken geplagt. Plötzlich steht überraschender Besuch vor der Tür: ein Fremder (Ed Harris) und wenig später dessen Ehefrau (Michelle Pfeiffer). Das Paar wird vom Dichter eingeladen zu bleiben – obwohl die junge Frau des Künstlers Bedenken hat, da ihr die Aufdringlichkeit der Besucherin nicht behagt. Und die nächste Invasion des Refugiums lässt nicht lange auf sich warten: Die Söhne des fremden Ehepaares tauchen auf und tragen ihren zunehmend heftigeren Streit im Haus aus…

Kurz-Rezension: Beängstigendes und gegen Ende auch leicht verstörendes Horror- und Psychodrama mit zahlreichen (politischen, religiösen und psychologischen) Deutungsmöglichkeiten von Darren Aronofsky, am ehesten vergleichbar mit Rosemaries Baby von Roman Polanski. Ein Film, den man entweder liebt oder hasst.

Blade Runner 2049


Film-Genre: Science-Fiction | Abenteuer
Kino-Start: 05. Oktober 2017

Im Los Angeles des Jahres 2049 existieren nach wie vor Replikanten der alten Generation und auch noch immer die sog. Blade Runner, die diese aufspüren und in den Ruhestand versetzen. Der Replikant Sapper Morton (Dave Bautista) sollte nicht mehr als ein ganz gewöhnlicher Auftrag für den LAPD Polizeibeamten K (Ryan Gosling) sein. Doch seine akribischen Recherchen führen K auf die Suche nach Rick Deckard (Harrison Ford), einem seit 30 Jahren verschwundenen, ehemaligen LAPD-Blade Runner. Beide stoßen auf ein für lange Jahre gehütetes Geheimnis, welches – einmal gelüftet – die Welt für immer verändern würde.

Kurz-Rezension: Was unterscheidet den Menschen von Maschinen? Bladerunner 2049 baut die Thematik des Vorgängers von 1982 um Identität, Schöpfung und Religion weiter aus. Der Cast um Ryan Gosling, Harrison Ford und Jared Leto ist durch die Bank hervorragend. Regisseur Denis Villeneuve, der mit grandiosen Bildern und zahlreichen narrativen Wendung überzeugt, tappt überdies nicht in die Nostalgiefalle und beweist, dass er der Großmeister der Science-Fiction unserer Zeit ist. Wer Bladerunner 2049 nicht gesehen hat, hat etwas verpasst und wird sich spätestens bei der Oscar-Verleihung 2018 ärgern.

Thor: Tag der Entscheidung


Film-Genre: Action | Abenteuer
Kino-Start: 31. Oktober 2017

Donnergott Thor Odinson (Chris Hemsworth) wird auf der anderen Seite des Universums gefangengenommen. Ohne seinen nützlichen Hammer Mjölnir scheint eine Flucht nahezu ausgeschlossen – dabei läuft ihm allmählich die Zeit davon: Denn die ebenso mächtige wie erbarmungslose Hela (Cate Blanchett), die nach langer Gefangenschaft aus ihrem Gefängnis entkommen ist, droht Ragnarok, die Götterdämmerung, einzuleiten und Thors Heimatwelt Asgard zu vernichten. Um dies zu verhindern, setzt Thor alles daran, nach Hause zurückzukehren. Zwischen ihm und seiner Freiheit stehen jedoch tödliche Gladiatorenkämpfe auf dem Planeten Sakaar, der so was wie die Mülldeponie des Universums ist. Bei einem dieser Duelle trifft Thor auf einen alten Bekannten…

Kurz-Rezension: Der dritte Film um den Comichelden Thor setzt mehr auf Humor statt auf reine Action – und das tut dem Superheldenfilm ungemein gut. Allein das Aufeinandertreffen von Thor und Hulk in einer Gladiatorenarena auf dem Planeten Sakaar ist das Eintrittsgeld wert. Und wie gut passt eigentlich der Immigrant Song von Led Zeppelin in diese Achterbahnfahrt? Ein großer Spaß für Freunde der lockeren Unterhaltung.

Star Wars: Die letzten Jedi


Film-Genre: Science-Fiction | Action
Kino-Start: 14. Dezember 2017

Rey (Daisy Ridley), mit den Erfahrungen ihres ersten großen Abenteuers in den Knochen, geht bei Luke Skywalker (Mark Hamill) auf dem Inselplaneten Ahch-To in die Lehre. Luke ist der letzte Jedi, der letzte Vertreter des Ordens, auf dem die Hoffnung ruht, dass Frieden in die Galaxis einkehrt. Doch die Schergen der First Order lassen Meister und Schülerin in der Insel-Idylle nicht lange in Ruhe. Und einer von Lukes ehemaligen Schützlingen, Kylo Ren (Adam Driver), hat die finstere Mission, die ihm Snoke (Andy Serkis) auftrug, noch längst nicht beendet…

Kurz-Rezension: Star Wars: Die letzten Jedi ist großartige Unterhaltung: Unter Regisseur Rian Johnson verschwimmen im Vergleich zum Vorgänger die starren Grenzen zwischen Gut und Böse. Der Film nimmt sich Zeit für seine Charaktere, insbesondere die Figur der Rey gewinnt im Laufe des Films deutlich an Format. Auch Adam Driver spielt die Grautöne seiner Rolle hervorragend. Natürlich sind die Fußstapfen von Darth Vader groß, aber Keylo Ren hat ja noch Zeit. Der Star des Films ist allerdings Mark Hamill, der seine wohl stärkste Performance als Luke Skywalker abliefert. Das Drehbuch orientiert sich wenig an den alten Star Wars-Filmen, sondern geht neue Wege und überrascht mit einigen Plottwists. Insgesamt einer der stärksten Vertreter des Franchises, der die ideale Grundlage für Teil 9 legt – und den möchte ich schon jetzt unbedingt sehen!

Honorable Mentions (es war noch schwerer als letztes Jahr):

Passengers, La La Land, Manchester by the Sea, Hacksaw Ridge, Der junge Karl Marx, John Wick: Kapitel 2, Lion – der lange Weg nach Hause, Life, Lommbock, Una und Ray, Ghost in the Shell, The Birth of a Nation – Aufstand zur Freiheit, Nacktbaden – Manche bräunen, andere brennen, Sieben Minuten nach Mitternacht, Einsamkeit und Sex und Mitleid, War Machine, Baby Driver, Blood Orange, An Inconvenient Sequel: Truth To Power, Es, Mord im Orient Express

Filme, die ich 2017 auch gesehen habe (und nicht notwendigerweise schlecht):

The Great Wall, In a Valley of Violence, Live by Night, Den Sternen so nah, Kong: Skull Island, The Lego Batman Movie, Batman: Return of the Caped Crusader, Justice League Dark, Free Fire, Gold, Unforgettable, Victoria – Männer und andere Missgeschicke, King Arthur: Legend of the Sword, Pirates of the Caribbean: Salazars Rache, Die Mumie, Berlin Falling, Valerian – Die Stadt der Tausend Planeten, Das Gesetz der Familie, Planet der Affen – Survival, Der Dunkle Turm, Batman und Harley Quinn, The Circle, Kingsman: The Golden Circle, Das Spiel, Justice League, Bright