2016: Mein filmischer Jahresrückblick

Leerer Kinosaal 2016

© flickr | oliverlangewitz

Nun neigt es sich dem Ende zu, dieses Jahr 2016. Der Brexit, die Wahl von Donald Trump zum 45. US-Präsidenten, das Schauspiel um die österreichische Präsidentschaftswahl, die Affäre Böhmermann, die Diskussion um die Flüchtlingspolitik der deutschen Bundesregierung und das Erstarken der AfD – in politischer Hinsicht war 2016 ein turbulentes Jahr. Das war für mich unter anderem Anlass genug, öfter ins Kino zu gehen. Auch um zumindest zeitweise der bitteren Realität zu entkommen. Welche Filme sollte man 2016 gesehen haben? Was waren die filmischen Highlights des Jahres 2016?

Die Erwartungen waren groß: 2016 sollte das Jahr der Superhelden werden. Eigentlich war von vorneherein klar, dass diese Erwartungen nicht erfüllt werden können. Doch Marvel und DC lieferten sich einen wahren Showdown an den Kinokassen und dementsprechend war ich voller Vorfreude. Insbesondere Batman v. Superman: Dawn of Justice und Suicide Squad konnten die zugegebenermaßen hohen Erwartungen dann in meinen Augen leider nicht bestätigen. In Batman v. Superman zeigte Ben Affleck zwar, dass ein würdiger Batman-Darsteller als Alternative zu Christian Bale (s. Dark-Knight-Triologie) gefunden wurde. Den Film selbst empfand ich allerdings als eine seltsame Aneinanderreihung teilweise langatmiger Szenen.

Weitaus mehr hat mich aber Suicide Squad enttäuscht, trotz starkem Soundtrack: Warum spielte etwa der Joker nur eine subalterne Rolle in den offiziellen Trailern wurde zuvor ein ganz anderer Eindruck vermittelt. Dabei bietet das DC-Universum doch durchaus spannende Geschichten. Bleibt also zu hoffen, dass die Verantwortlichen für die Zukunft aus diesen Flops lernen. Marvel dagegen verstand es, seine Helden angemessen auf der großen Leinwand zu präsentieren. Sowohl Captain America 3: Civil War als auch Doctor Strange entfachten beide ein explosives Kino-Feuerwerk. Und die CGI-Effekte in Doctor Strange sind einfach nur beeindruckend.

Nachdem ich Anfang des Jahres erst noch einige Filme aus der letztjährigen Award-Season nachgeholt habe, fanden sich auch im Jahr 2016 wieder viele „kleinere“ Produktionen, abseits der großen A-Blockbuster. Aus cineastischer Sicht ist das Jahr 2016 also durchaus gelungen, zumindest haben mich viele Filme hervorragend unterhalten. Nachfolgend also meine Liste der zwanzig (!) besten Filme des Jahres 2016 in chronologischer Reihenfolge. Bewusst ist dies kein Top 10-Ranking, denn hey, es war schon schwierig genug, eben diese zwanzig Streifen auszuwählen.

Sherlock – The Abominable Bride

Sherlock 2016Krimi | Drama (Start: 01. Januar 2016)
London im Jahr 1865: Sherlock Holmes (Benedikt Cumberbatch) und Dr. Watson (Martin Freeman) bekommen Besuch von Inspektor Lestrade (Rupert Graves), der für Scotland Yard im mysteriösen Fall der Emelia Ricoletti (Natasha O’Keeffe) ermittelt. Diese soll in einem Hochzeitskleid von einem Balkon aus wahllos mit zwei Pistolen in die Menge gefeuert haben, ehe sie Selbstmord beging. Nur wenige Stunden später soll sie jedoch von mehreren Zeugen dabei gesehen worden sein, wie sie in einer Kutsche entstieg, um ihren eigenen Mann zu töten. Doch wie ist das möglich? Hat sie eine Doppelgängerin? Ist sie womöglich als Geist zurückgekehrt?

Sehenswert, weil: Streng genommen ist Sherlock – The Abominable Bride eigentlich kein Kinofilm, sondern eine Sonderfolge der britischen Fernsehserie, deren vierte Staffel voraussichtlich im Januar 2017 Premiere feiern wird. Somit ist sie zum einen ein Must-See für jeden Fan der BBC-Serie. Zum anderen kann jeder Ahnungslose sehen, was aus dem Sherlock-Stoff geworden wäre, wenn ihn die Drehbuchautoren Mark Gatiss und Steven Moffat authentisch verarbeitet hätten.

The Revenant – Der Rückkehrer

The Revenant 2016Western | Drama (Start: 07. Januar 2016)
In den 1820ern zieht der legendäre Trapper Hugh Glass (Leonardo DiCaprio) im Rahmen einer Expedition durch die Weiten der USA, um den Missouri River zu erforschen. Am Fluss erwischt er einen unachtsamen Moment – und wird von einem Grizzly lebensgefährlich verletzt. Seine Begleiter glauben nicht, dass Glass den Vorfall überlegen wird. Als sie dann auch noch Ureinwohner in der Nähe ihres Lagers bemerken, überlassen sie den Schwerverwundeten sich selbst. Überraschend jedoch überlebt Glass und schwört allen Begleitern, die ihn zurückgelassen haben, Rache. Auf der Suche nach ihnen schleppt sich der verletzte Abenteurer durch die eisige Bergwelt der heutigen US-Bundesstaaten North und South Dakota.

Sehenswert, weil: Episches und bildgewaltiges Survivaldrama über das Verhältnis von Mensch und Natur, zu Recht mit drei Oscars gekrönt (u.a. bester Hauptdarsteller für Leonardo DiCaprio). Das eindringliche Schauspiel von DiCaprio in Verbindung mit der intensiven Kameraarbeit Emmanuel Lubezkis machen den Film trotz seiner Länge zu einem wahren Erlebnis.

 The Big Short

The Big Short 2016

Drama | Komödie (Start: 14. Januar 2016)
Jared Vennett (Ryan Gosling) ist Aktienhändler der Deutschen Bank, Dr. Michael Burry (Christian Bale) hat Scion Capital gegründet, obwohl er unter dem Asperger Syndrom leidet und auf einem Auge blind ist. Der ehemalige Top-Manager Ben Rickert (Brad Pitt) hat sich eigentlich aus der Finanzwelt zurückgezogen. Mark Baum (Steve Carrell) betreut Hedgefonds, versucht dabei aber, seine moralische Integrität zu wahren. Die Männer haben unterschiedliche Hintergründe, sind aber alle im Finanzsektor tätig. Schon Jahre vor der tatsächlichen Krise sehen sie den Börsensturz des Jahres 2008 kommen. Sie beschließen, ihr Wissen zu nutzen und Gewinn aus dem kommenden Kollaps zu schlagen.

Sehenswert, weil: Dynamisch inszeniertes, unterhaltsames Drama über die Finanzkrise der Jahre 2007/2008 mit hervorragendem Cast und eloquentem Drehbuch. Regisseur Adam McKay, einst Autor der legendären Sketch-Comedy Saturday Night Live, nimmt sich eines potenziell staubtrockenen Themas an und gelingt es, einige der Ursachen der Finanzkrise anschaulich zu erklären. Dennoch ist The Big Short an keiner Stelle ein Dokumentarfilm: Zwar haben viele der Szenen einen realen Hintergrund der Film basiert auf dem Buch The Big Short: Inside the Doomsday Machine von Michael Lewis einige sind aber auch komplett erfunden.

The Hateful Eight

The Hateful Eight 2016

Western | Drama (Start: 28. Januar 2016)
Irgendwo im verschneiten Wyoming, einige Jahre nach dem Bürgerkrieg: Eine Postkutsche kämpft sich auf dem Weg zum Städtchen Red Rock durch die verschneite Landschaft. An Bord sind der Kopfgeldjäger John Ruth (Kurt Russell), seine Gefangene Daisy Domergue (Jennifer Jason Leigh) und zwei erst auf dem Weg zugestiegene Passagiere: der Kopfgeldjäger Marquis Warren (Samuel L. Jackson) und der neue Sheriff von Red Rock Chris Mannix (Walton Goggins). Aufgrund eines heftigen Schneesturms sind die Reisenden gezwungen, in einer Hütte Zuflucht zu suchen. Dort treffen sie auf weitere zwielichtige Gestalten und es wird klar, dass längst nicht jeder von ihnen die Hütte lebend verlassen wird.

Sehenswert, weil: Famos geschriebenes und inszeniertes Kammerspiel von Quentin Tarantino, dessen Dramatik sich im Laufe des Films unausweichlich zum Höhepunkt hin steigert. Allein die spannungsgeladene Eröffnungsszene am verschneiten Wegekreuz, untermalt vom atmosphärischen Soundtrack des Altmeisters Ennio Morricone, war den Kinobesuch 2016 wert. The Hateful Eight ist definitiv einer der besten Tarantinos überhaupt!

Deadpool

Deadpool 2016

Action | Abenteuer (Start: 11. Februar 2016)
Als der Söldner Wade Wilson (Ryan Reynolds) von seiner Krebserkrankung erfährt, unterzieht er sich einem riskanten Experiment. Danach hat er zwar enorme Selbstheilungskräfte, sein Körper ist allerdings komplett entstellt. Also schlüpft Wade in einen hautengen, rot-schwarzen Anzug mit Maske und nennt sich fortan Deadpool. Unter diesem Pseudonym geht er auf seinen Missionen anders vor als vergleichbare Menschen mit Superkräften. Die offensichtlichsten Unterschiede sind sein pechschwarzer Humor, sein bissiges Mundwerk und seine Angewohnheit, sich regelmäßig an das Filmpublikum zu wenden…

Sehenswert, weil: Überraschende, weil selbstironische Superhelden-Satire mit langer Produktionsgeschichte und erstklassiger Besetzung sowie vielen popkulturellen Referenzen (u.a. X-Men, Hugh Jackman, Samuel L. Jackson). Ryan Reynolds gelingt es, Deadpool als kontroversen Helden darzustellen, der dem üblichen Narrativ des perfekten Superhelden eine erfrische Nuance hinzufügt.

Spotlight

Spotlight 2016

Drama | Thriller (Start: 25. Februar 2016)
Ein einfacher Artikel in der Boston Globe setzt eine ganze Ereigniskette in Bewegung: Es wird berichtet, dass es in Boston einen Kindesmissbrauch in der römisch-katholischen Kirche gab. Ein Journalisten-Team um Michael Rezendes (Mark Ruffalo) und Sacha Pfeiffer (Rachel McAdams) wird auf den Fall angesetzt. Die Reporter decken in ihren Recherchen eine Reihe von Missbräuchen auf und wollen sie an die Öffentlichkeit bringen. Doch diesem investigativen Plan steht das Schweigen der Opfer und Anwälte entgegen, die gegen das Team arbeiten.

Sehenswert, weil: Aufrüttelndes Filmdrama nach einer wahren Geschichte mit einem großartigen Darstellerensemble. Das oscarprämierte Drehbuch von Tom McCarthy und Josh Singer portraitiert die Rechercheure als journalistische Archetypen und zeigt einmal mehr, wie wichtig professioneller Journalismus auch in der heutigen Zeit ist.

 Zoomania

Zoomania 2016Animation | Abenteuer (Start: 03. März 2016)
Zoomania, eine gigantische Stadt voller Möglichkeiten: Hier leben die unterschiedlichsten Tierarten Seite an Seite, sei es in Sahara-Wolkenkratzern oder Iglu-Appartements. Für jede Vorliebe findet sich der passende Wohnraum. Mitten in den Trubel dieser Großstadt wird die junge Polizistin Judy Hopps (Ginnifer Goodwin) versetzt, die hofft, nun endlich einmal einen großen Fall lösen zu dürfen. Aber als kleiner Nager zwischen lauter großgewachsenen Kollegen wird sie nur belächelt und so darf Judy lediglich Parksündern nachjagen. Als ihr Chef sie endlich mit einem spannenden Auftrag betraut, stellt die clevere Häsin schnell fest, dass sie Hilfe braucht, um die mysteriöse Verschwörung aufzudecken, die die Bewohner von Zoomania in Atem hält. Notgedrungen lässt sie sich auf eine Zusammenarbeit mit dem vorlauten Fuchs und Trickbetrüger Nick Wilde (Jason Bateman) ein.

Sehenswert, weil: Zoomania ist eine erfrischende Parabel auf das menschliche Zusammenleben und unsere universellen Werte wie Toleranz und Nächstenliebe, aber auch eine gelungene Reminiszenz an andere Filmgernres (z.B. Film Noir). Mit seinen Vorurteilen gegenüber anderen Ethnien passt Zoomania hervorragend in unsere Zeit und ist (leider) aktueller denn je.

Trumbo

Trumbo 2016

Drama (Start: 10. März 2016)
In den 40er Jahren läuft es grandios für Dalton Trumbo (Byran Cranston): Er ist einer der bestbezahlten Drehbuchautoren Hollywoods. Es ist keine Frage, dass er einen Oscar bekommen wird, die Frage nur: wann? Doch mit dem Kalten Krieg und dem Aufstieg des Kommunistenhassers Senator McCarthy endet Trumbos Aufstieg. Die Kolumnistin Hedda Hopper (Helen Mirren) macht Stimmung gegen die „hoch bezahlten Verräter“ Hollywoods und bedeutende Filmstars helfen bei der Hexenjagd. Als sich Trumbo weigert, vor dem berüchtigten Komitee für unamerikanische Umtriebe auszusagen, landet er auf der „Schwarzen Liste“ und verliert seinen Studiovertrag mit MGM. Doch Trumbo wäre nicht Trumbo, würde er sich unterkriegen lassen…

Sehenswert, weil: Eindrucksvolles Filmdrama über ein dunkles Kapitel Hollywood-Geschichte, in der Bryan Cranston einmal mehr beweist, dass er einer der maßgeblichen Charakterdarsteller unserer Zeit ist. Der Umgang mit Dissidenten im Hollywood-Kino der 1940er und 1950er ist eine Thematik, die aus dem Blickpunkt der Öffentlichkeit verschwunden ist – und deshalb definitiv wert ist, gesehen zu werden.

10 Cloverfield Lane

10 Cloverfield Lane 2016Horror | Science Fiction (Start: 31. März 2016)
Michelle (Mary Elizabeth Winstead) verlässt nach einem Streit mit ihrem Freund New Orleans und fährt davon. Doch auf einer wenig befahrenen Straße wird sie in einen folgenschweren Unfall verwickelt. Die junge Frau verliert das Bewusstsein. Als sie später wieder aufwacht, findet sie sich nicht in einem Krankenhaus wieder, sondern in einem Bunker tief unter der Erde. Howard (John Goodman) behauptet, dass er sie gerettet hat und die Umgebung angegriffen wird. Die meisten Menschen sollen demnach schon tot sein. Doch Michelle möchte nicht ewig auf engstem Raum mit fremden Personen zusammenleben. Mit Emmett (John Gallagher Jr.), dem Dritten im Bunker, schließt sie sich zusammen und plant den Ausbruch aus den Fängen des immer paranoider werdenden Howard. Noch wissen sie nicht, was sie an der Oberfläche erwartet…

Sehenswert, weil: Das Sequel zu Cloverfield aus dem Jahr 2008 kommt ganz ohne verwackelte Kameraeinstellungen aus und ist trotzdem ein überaus effektiv inszenierter Kammerspiel-Psychothriller mit spannendem Drehbuch. Besonders hervorzuheben ist die Schauspielleistung von John Goodman, der die Figur des Howard als ambivalenten Paranoiker darstellt: eigentlich ein netter Kerl, von der einen auf die andere Minute aber aufbrausend und gefährlich. Wirklich sehenswert!

Fritz Lang Der Andere in uns

Fritz Lang 2016Drama | Krimi (Start: 14. April 2016)
Auf der Suche nach einem passenden Stoff für seinen ersten Tonfilm reist der Starregisseur Fritz Lang (Heino Ferch) 1930 von seinem turbulenten Umfeld in Berlin nach Düsseldorf, um bei den polizeilichen Ermittlungen über den brutalen Serienmörder Peter Kürten (Samuel Finzi) dabei zu sein. Doch in der fremden Umgebung wird er im Strudel der Ereignisse von seiner Vergangenheit eingeholt und steht vor unerwarteten Abgründen.

Sehenswert, weil: Der Zuschauer begleitet den Metropolis-Macher Fritz Lang bei seinen Recherchen für den Klassiker M– Eine Stadt sucht einen Mörder. Das packend inszenierte Dokudrama in Schwarz-Weiss, in das Regisseur Gordian Maugg collageartig zeitgeschichtliches Filmmaterial eingebunden hat, ist einer der am meisten unterschätzten Filme des Jahres. Die Ambivalenz von Schuld und Unschuld in Verbindung mit Fälschung und Manipulation, die sich als Motiv sowohl durch diesen Film, als auch durch das Leben und Wirken von Fritz Lang ziehen, ist als Thema aktueller denn je.

A War

a war 2016

Drama | Kriegsfilm (Start: 14. April 2016)
Claus M. Pedersen (Pilou Asbæk) und seine Kameraden sind im Krieg: In einer afghanischen Provinz wird ihr Einsatz benötigt. Zurückgelassen hat Claus seine Frau Maria (Tuva Novotny) und seine drei Kinder. Während Claus ständig unter Hochspannung lebt, muss Maria schauen, den Alltag weiterhin zu meistern, mit der täglichen Angst um ihren Mann, mit ihren drei Kindern. Als Claus und seine Kameraden in ein Kreuzfeuer geraten, muss Claus eine folgenschwere Entscheidung treffen, die auch seine Familie betrifft.

Sehenswert, weil: Bewegendes Drama über die destruktiven Konsequenzen von Krieg und die Frage, wie weit der Einzelne im Kampf gegen den Terrorismus gehen darf. Nimmt sich wie die ARD-Verfilmung „Terror – Ihr Urteil“ dem Dilemma zwischen Moral und Recht an. Außerdem war A War (Originaltitel : Krigen) als dänischer Beitrag für den besten fremdsprachigen Film bei der Oscar-Verleihung 2015 nominiert.

The Jungle Book

The Jungle Book 2016Abenteuer | Drama (Start: 14. April 2016)
Der junge Mogli (Neel Sethi) ist nach einem Zwischenfall von seiner Familie getrennt und von nun an alleine im indischen Dschungel unterwegs. Er findet jedoch schon bald Zuflucht bei der Wolfsmutter Rakcha (Lupita Nyong’o), die ihn als einer seiner Kinder aufzieht. Auf dem Weg durch den Dschungel bekommt er es allerdings mit allerhand Gefahren zu tun, etwa der hinterhältigen Schlange Kaa (Scarlett Johansson), dem Riesenaffen King Louie (Christopher Walken) und allen voran dem berüchtigten Tiger Shir Khan (Idris Elba).

Sehenswert, weil: Eine Realverfilmung des gleichnamigen Disney-Zeichentrickfilms aus dem Jahre 1967. Allein der fast durchweg fotografische Realismus der CGI-Effekte machen The Jungle Book zu einen der besten Filme des Jahres. Natürlich ist The Jungle Book weniger lustig und beschwingt als das Original, durch die bewusste Entscheidung, auf eine Darstellung à la Kindchenschema zu verzichten, überzeugt er aber auch bei einem erwachsenen Kinopublikum.

Captain America 3: Civil War

Science Fiction | Action (Start: 21. April 2016)
Als bei einem Einsatz der Avengers in Lagos zwar der Diebstahl eines biologischen Kampfstoffes verhindert wird, dabei aber mehrere Zivilisten sterben, beschließen die Vereinten Nationen ein neues Gesetz, das die Avengers unter ihre Aufsicht bringen soll. Während Tony Stark alias Iron Man (Robert Downey Jr.) für eine Kontrolle der Superhelden votiert, stimmt Steve Rogers alias Captain America (Chris Evans) für Ihre Unabhängigkeit. Auch die Teammitglieder sind uneinig und verteilen sich auf die beiden Wortführer. Als ein Bombenattentat auf jene UN-Versammlung verübt wird und als vermeintlich Schuldiger Steves alten Freund Bucky Barnes (Sebastian Stan), nun als Winter Soldier bekannt, ausmacht, verschärft sich die Lage. Nachdem Steve Anweisungen missachtet und versucht, Bucky auf eigene Faust zu stellen, damit dieser bei seiner Verhaftung nicht getötet wird, kommt es zu immer offeneren Animositäten zwischen den Superhelden…

Sehenswert, weil: Vielschichtige und spannungsgeladene Superhelden-Verfilmung, der es anders als dem Konkurrenten Batman v. Superman: Dawn of Justice gelingt, die Motivation und Intention eines Aufeinandertreffens von Giganten nachvollziehbar zu erzählen. Unter der Oberfläche lassen sich aktuelle Bezüge zur Realität ziehen, etwa zu moralischen Fragen der Kontrolle von Macht, sowie der Umgang mit Missbrauch und Irrtum. Eines der Highlights des Films: Der Auftritt von Spiderman (Tom Holland) lässt auf das Spiderman-Reboot im nächsten Jahr hoffen.

The Witch

The Witch 2016Drama | Horror | Mystery (Start: 19. Mai 2016)
Neu-England im 17. Jahrhundert: Das Ehepaar William (Ralph Ineson) und Katherine (Kate Dickie) führt mit seinen fünf Kindern ein tiefreligiöses, christliches Leben am Rande eines unheimlichen Waldes, der angeblich von einer Hexe heimgesucht wird. Schon bald häufen sich die merkwürdigen Vorkommnisse, denn die Tiere drehen durch, die Ernte geht ein und dann verschwindet auch noch der kleine Samuel unter den Augen seiner Schwester Thomasin (Anya Taylor-Joy). Wenig später taucht das Baby zwar wieder auf, scheint aber besessen zu sein. Die Eltern können sich auf die Geschehnisse keinen Reim machen und wissen nicht mit den Vorwürfen der Zwillinge Jonas (Lucas Dawson) und Mercy (Ellie Grainger) umzugehen, die Thomasin der Hexerei bezichtigen. Liegt auf der Familie ein Fluch oder treibt draußen im Wald eine andere, finstere Macht ihr Unwesen?

Sehenswert, weil: Sich langsam steigernder, historisch akurater Mysteryfilm, der den Zuschauer irgendwie beunruhigt und nachdenklich zurücklässt. Dem Regisseur Robert Eggers gelingt es mit der authentischen Schilderung des tiefgläubigen, puritanischen Alltags und der Hexenverfolgung der damaligen Zeit, ein wichtiges Mosaiksteinchen für das Verständnis des Religionsbezugs in der amerikanschen Gesellschaft zu liefern. Definitiv kein klassischer Horrorfilm und gerade deswegen absolut empfehlenswert.

The Nice Guys

The Nice Guys 2016Action | Komödie (Start: 02. Juni 2016)
Holland March (Ryan Gosling), ein abgehalfteter Privatdetektiv und Jackson Healy (Russell Crowe), der als Mann fürs Grobe angeheuert wird, haben nicht viel gemeinsam. Doch dann werden beide in den Fall der vermissten Amelia Kutner (Margaret Qualley) verstrickt. Zeitgleich wird das Pornosternchen Misty Mountains (Murielle Telio) tot aufgefunden – besteht in beiden Fällen ein Zusammenhang? Widerwillig zur Zusammenarbeit gezwungen, streifen sie gemeinsam mit Marchs pubertierender Tochter Holly (Angourie Rice) durch Los Angeles, um verworrenen Hinweisen auf den Grund zu gehen. Bis Amelias Spur sie zu einer Multi-Milliarden-Dollar-Verschwörung führt, die bis in die höchsten Kreise reicht und sie zum Ziel skrupelloser Profikiller macht…

Sehenswert, weil: The Nice Guys ist für mich auf jeden Fall unter den Top3-Filmen des Jahres 2016. Regisseur und Drehbuchautor Shane Black lässt mit seinen witzigen Dialogen, dem erfrischend-altmodischen Setting und einigen  innovativ-ironischen B-Movie-Ideen (die Aufzug-Szene!) das Film-Noir-/Detektivfilm-Genre endlich wieder aufleben. Im Zentrum des Films steht das großartige Zusammenspiel der beiden Hauptdarsteller: Russell Crowe und Ryan Gosling harmonieren einfach perfekt miteinander.

Toni Erdmann

Toni Erdmann 2016Drama | Komödie (Start: 23. Juni 2016)
Winfried (Peter Simonischek) ist ein 65-jähriger, einfühlsamer Musiklehrer mit Hang zu Scherzen, der mit seinem alten Hund zusammenlebt. Seine Tochter Ines (Sandra Hüller) hingegen ist das Gegenteil: Als ehrgeizige Unternehmensberaterin reist sie um die Welt und von einem Projekt zum nächsten, um die Karriereleiter steil nach oben zu klettern. Vater und Tochter bekommen sich daher nicht oft zu sehen. Dies ändert sich schlagartig, als sein Hund stirbt und Winfried daraufhin beschließt, Ines unangekündigt bei der Arbeit in Bukarest zu besuchen. Wegen seiner Witze und der unterschwelligen Kritik an ihrem Lebensstil kracht es schon bald zwischen den beiden. Und dann verwandelt sich Winfried auch noch in sein Alter Ego Toni Erdmann: das Gebiss ist schief, der Anzug schlecht und auf dem Kopf sitzt eine Perücke. Der schräge Vogel behauptet, Personalcoach zu sein, bringt Ines vor ihren Kollegen in einige peinliche Situationen – aber die Verkleidung sorgt auch dafür, dass sie und ihr Vater sich wieder annähern.

Sehenswert, weil: Der Regisseurin und Drehbuchautorin Maren Ade ist ein gesellschaftskritischer Film gelungen, der wirklich schwer zu beschreiben ist: Ist er eine Komödie mit tragischen Elementen – oder doch eher eine Tragödie mit komischen Elementen? Toni Erdmann deckt als komplexe Familiengeschichte in unaufgeregter Art und Weise die Zwänge und Abhängigkeiten unseres modernen Wirtschaftssystems auf, ist dabei jedoch nie verletztend. Toni Erdmann wurde als deutscher Beitrag in die Longlist für die Oscar-Verleihung 2017 aufgenommen worden.

The Neon Demon

Th Neon Demon 2016Thriller | Horror (Start: 23. Juni 2016)
Die Teenagerin Jesse (Elle Fanning) ist neu in Los Angeles. Sie zieht in ein heruntergekommenes Motel, das vom dubiosen Hank (Keanu Reeves) geführt wird, findet aber schnell Anschluss in der fremden Stadt: Stylistin Ruby (Jena Malone) bemerkt, was für ein Talent in Jesse steckt und will ihr dabei helfen, den Traum von der Modelkarriere zu verwirklichen. Wenig später hat Jesse mit Jan (Christina Hendricks) dann auch schon eine Top-Agentin und wird von einem Fotografen zum nächsten geschickt. Die junge Frau, naiv und betont keusch im Auftreten, taucht immer tiefer in die Glitzerwelt aus dekadenten Partys und schicken Shootings ein. Konkurrentinnen wie den Models Sarah (Abbey Lee) und Gigi (Bella Heathcote) bleibt nicht verborgen, wer da zum neuen Liebling der Szene aufsteigt. Bald wird es für Jesse sehr gefährlich…

Sehenswert, weil: Bewusst abstrakt und ambivalent gehaltener Ästhetik-Porno in avangardistischer Neon-Optik des dänischen Regisseurs Nicolas Winding-Refn. Achtung: krude, provozierende Handlung und ein abstoßendes Ende. Aber allein die raffiniert komponierten, kontrastreichen Bilder machen diesen Thriller sehenswert.

Doctor Strange

Doctor Strange 2016Action | Abenteuer (Start: 27. Oktober 2016)
Doctor Stephen Strange (Benedict Cumberbatch) ist ein arroganter, aber auch unglaublich talentierter Neurochirurg. Nach einem schweren Autounfall kann er seiner Tätigkeit trotz mehrer Operationen und Therapien nicht mehr nachgehen. In seiner Verzweiflung wendet er sich schließlich von der Schulmedizin ab und reist nach Tibet, wo er bei der Einsiedlerin The Ancient One (Tilda Swinton) und ihrer Glaubensgemeinschaft lernt, sein verletztes Ego hinten anzustellen und in die Geheimnisse einer verborgenen, mystischen Welt voller alternativer Dimensionen eingeführt wird. So entwickelt sich Doctor Strange nach und nach zu einem der mächtigsten Magier der Welt. Doch schon bald muss er seine neugewonnen mystischen Kräfte nutzen, um die Welt vor einer Bedrohung aus einer anderen Dimension zu beschützen.

Sehenswert, weil: Rauschhafte, psychedelische Filmumsetzung der Comic-Vorlage von Marvel mit Benedikt Cumberbatch, dem die Rolle des anfangs überheblichen Neurochirurgen wie auf den Leib geschneidert ist. Die  atemberaubenden CGI-Effekte wirken stellenweise so, als sei man in einem Kaleidoskop gefangen. Außerdem regt der mehrdimensionale Actionfilm zu philosophischen Gedankenspielen über die Natur der Zeit und die ethische Kompromissbereitschaft der Protagonisten an. Unbedingt anschauen!

Jeder stirbt für sich allein

Jeder stirbt für sich allein 2016Drama (Start: 17. November 2016)
Berlin im Juni 1940: Während die nationalsozialistische Propaganda den Sieg über Frankreich verkündet, trauern Anna (Emma Thompson) und Otto Quangel (Brendan Gleeson) um ihren Sohn, der an der Front gefallen ist. Das Ehepaar hatte lange Zeit Vertrauen in die NS-Führung, aber langsam beginnen sie zu realisieren, dass die Versprechen Adolf Hitlers nichts als Lügen und Täuschung sind. Ausdruck ihres persönlichen Widerstands sind die Postkarten, die sie schreiben, um ihre Mitbürger aufzuklären. Dabei riskieren Sie ihr Leben, etwa als sie die Postkarten im Treppenhaus eines Wohnhauses auslegen. Alsbald sind nicht nur SS und Gestapo sind hinter ihnen her, sondern auch ihre regimetreuen Nachbarn stellen eine andauernde Gefahr dar.

Sehenswert, weil: Ruhiges, emotionales Drama nach der eindrucksvollen Literaturvorlage von Hans Fallada, das als „bestes Buch gilt, das je über den deutschen Widerstand geschrieben wurde“ (Primo Levi). Der Roman selbst basiert auf der wahren Geschichte des Ehepaars Hampel und zeichnet insbesondere Otto Quangel als introvertierten, resignierten und nach außen scheinbar emotionslosen Charakter. Dem Film wird genau diese hölzerne und weitestgehend emotionslose Inszenierung vorgeworfen, dabei trifft gerade das zurückgenommene Schauspiel der beiden Hauptdarsteller die von Fallada beabsichtige Charakterisierung – diese Kritik kann ich absolut nicht nachvollziehen. Wirklich empfehlenswert!

Rogue One: A Star Wars Story

Rogue One: A Star Wars Story 2016Action | Abenteuer (Start: 15. Dezember 2016)
Schwere Körperverletzung, Besitz gestohlener Güter, Fälschung imperialer Dokumente – Jyn Erso (Felicity Jones) hat eine Reihe von Schandtaten in ihrem Lebenslauf, als sie von den Rebellen befreit wird. Andererseits: Der Kampf gegen das Imperium wird nicht mit Samthandschuhen gewonnen, das wissen auch die Widerstandskämpfer um Mon Mothma (Genevieve O’Reilly). Auerdem war Jyns Vater Galen Erso (Mads Mikkelsen) maßgeblich daran beteiligt, die neue Superwaffe des Imperiums zu bauen, weswegen sein Insiderwissen und Jyns Verbindung zu ihm wertvoll sind.

Sehenswert, weil: Rogue One: A Star Wars Story inszeniert sich mehr als dreckig-düsterer Kriegsfilm denn als epische Science-Fiction-Saga und das ist auch gut so. Das Spin-Off nutzt die dramaturgische Freiheit, nicht die orginäre Handlung fortschreiben zu müssen und überzeugt mit neuartigen Erzählsträngen und moralisch ambivalenten Hauptcharakteren im Star Wars-Universum. Brilliante CGI-Effekte (jaja, zwei kontroverse Ausnahmen) und eine konsequent zu Ende erzählte Handlung (Danke, Disney!) machen das Rebellenabenteuer für mich zum besten Film des Jahres 2016!

Wer es bis hierher gelesen hat: Das waren sie, meine Top 20-Filme des Jahres 2016. Ich habe mir es mit der Auswahl wirklich nicht einfach gemacht. Was waren Eure Highlights? Welcher Streifen fehlt Euch in dieser Auswahl? Welchen Film habe ich verpasst? Schreibt es mir doch einfach in den Kommentare.

Honorable Mentions (ich habe wirklich mit mir gerungen):

Die dunkle Seite des Mondes, Dope, Hail, Caesar!, Raum, A Bigger Splash, Everybody Wants Some!!, High-Rise, Terror – Ihr Urteil, Before the Flood, Phantastische Tierwesen und wo sie zu finden sind

2016 auch gesehen (und nicht notwendigerweise schlecht):

Jane Got a Gun, Legend, Carol, Suffragette, Kill Your Friends, Batman v. Superman: Dawn of Justice, I Saw the Light,  Whiskey Tango Foxtrot, Verräter wie wir, BFG – Big Friendly Giant, Batman: The Killing Joke, Suicide Squad, Tschik, Die glorreichen Sieben, Snowden, Ruf der Macht, Inferno, Imperium

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